"Kleine Zeitung" Kommentar: "Serbien in Europa" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 07.10.2000

Graz (OTS) - Belgrad als Zentrum der serbischen Macht galt vor
allem Frankreich und Großbritannien als Hort der Stabilität für den Balkan. Die Eile von Jacques Chirac lässt vermuten, dass er daran anknüpfen möchte. Für Russland war Serbien der große Brückenkopf in der Region. Serbien selbst verstand sich als Vormacht des Balkan und hielt sich in Erinnerung an das serbische Großreich des Mittelalters für berechtigt, eine solche Rolle auch im 20. Jahrhundert zu spielen.

Aber real ist, dass sich die Nachbarn Serbiens als Staaten emanzipiert haben. Wer immer das rückgängig machen will, wird mehr Chaos als Ordnung hervorrufen. Slowenen, Kroaten, Albaner, Mazedonier, erst recht Ungarn, Rumänen, Bulgaren wollen nicht von Belgrad aus gegängelt werden.

Wenn die neue Führung in Belgrad sich an diese Regeln hält, wird die Normalisierung auf dem Balkan und die Annäherung an Europa rasch kommen können. Wenn der großserbische Mythos, in welcher Form auch immer, im Kopf von Kostunica und Co. spuken sollte, werden die nächsten Jahre die Jahre der Enttäuschung werden. Serbien kann nur als demokratischer Staat ohne alte Machtambitionen seine Heimat in Europa finden.****

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