ÖGB: Straßenaktionen für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz

Kein Sparen auf Kosten der Gesundheit der ArbeitnehmerInnen

Wien (ÖGB). Trotz steigender Zahl von Arbeitsunfällen im vergangenen Jahr wollen Minister Bartenstein und die Wirtschaftskammer das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz für Betriebe lockern", ist Renate Czeskleba, Leiterin des Referates für Humanisierung, Technologie und Umwelt im ÖGB, entsetzt. "Damit ist unser Geduldsfaden nun endgültig gerissen. Wir werden jetzt durch eine Informationskampagne mit Straßenaktionen auf die Notwendigkeit dieser Bestimmungen aufmerksam machen."++++

Das ArbeitnehemerInnenschutzgesetzt ist nun seit 1995 in Kraft. Wie wichtig es zur Vermeidung von Unfällen ist, beweist die Statistik eindeutig. Czeskleba: "Zwischen 1994 und 1998 konnte die Zahl der Arbeitsunfälle durch das neue Gesetz um 40.000 oder ein Viertel verringert werden. Von 1998 auf 1999 war die Zahl jedoch wieder steigend. Vor diesem Hintergrund das Schutzgesetz auflockern zu wollen, um Unternehmen mehr Spielraum zu geben, ist für mich einfach nur zynisch." Aber nicht nur die klassischen Arbeitsunfälle wie beispielsweise an Maschinen sind ein schwerwiegendes Problem. "Meistens völlig unter den Tisch fällt, dass Stress und Psychoterror am Arbeitsplatz ebenso eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Waren 1994 noch 17 Prozent aller Invaliditätspensionen auf psychiatrische Erkrankungen zurückzuführen, so stieg die Zahl bis 1998 bereits auf 24,6 Prozent. Ein Anstieg von mehr als sieben Prozent in nur vier Jahren - eine traurige Bilanz", so Czeskleba.

"Trotzdem verlangen Wirtschaftskammer und ,Arbeitsminister' Bartenstein die Sicherheitsbestimmungen auf Kosten der ArbeitnehmerInnen drastisch zu reduzieren", erklärt Czeskleba. So soll der Arbeitsinspektor in Zukunft erst einmal um einen Termin ansuchen müssen, bevor er den Betrieb kontrollieren darf und nicht einmal bei wiederholtem Verstoßen des Betriebes gegen die Schutzbestimmungen Strafanzeige erstatten. Auch Stress und Psychoterror rangieren für sie offensichtlich nicht unter "Gefahren für die Gesundheit". Czeskleba: "Unsere Forderung nach arbeitspsychologischer Betreuung wurde bei den Verhandlungsrunden, die im September begonnen haben, einfach abgeschmettert."

Unter dem Motto "Gesund bleiben in der Arbeitswelt - keine Abstriche bei Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz" wollen der ÖGB und die Gewerkschaften nun in Form einer Straßeninfo-Kampagne für die Sicherheit der ArbeitnehmerInnen kämpfen. "Die Kampagne soll aufzeigen, dass die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen nicht genügend geschützt wird und die geltenden Bestimmungen auf keinen Fall verschlechtert werden dürfen", so Czeskleba. "Themenschwerpunkte werden vor allem die unfallträchtigsten Branchen wie Metall und Bau, die schlimmsten und häufigsten Unfallursachen und psychische Gefahren wie Stress sein. Ein wichtiges Thema ist aber auch, die Gefahr, dass die Unfall- und Krankenversicherung kaputtgespart wird." An vier Nachmittagen (10., 17., 24. und 30. Oktober) werden an fünf Standorten ab 15.00 Uhr (Westbahnhof, Südbahnhof, Karlsplatz, Floridsdorf am Spitz und Stephansplatz) Aktionen durchgeführt. "Mit Bildern von typischen Arbeitsunfällen werden wir versuchen bewusst zu machen, dass in der Arbeitswelt auch ohne weitere Verschlechterungen der Schutzbestimmungen vieles schiefläuft", erklärt Czeskleba abschließend. (aw)

Renate Czeskleba
Telefon: (01) 534 44-440 oder 0664/524 62 45

ÖGB, 6. Oktober 2000
Nr. 819

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