OFFENER BRIEF der Grünen an die Bürgerinnen und Bürger Tschechiens

Grüne wollen zweites Zwentendorf und zweites Wackersdorf, damit es kein zweites Tschernobyl geben kann

Liebe Nachbarn!

In den nächsten Tagen wollen die Betreiber Temelins das Atomkraftwerk aktivieren. Angesichts der enormen Kritik an der Sicherheit des AKW durch ehemalige Mitarbeiter von Temelin, und der - ansonsten durchaus atomfreundlichen deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit sowie auch durch die von Österreich nominierten Experten wird deutlich, daß eine Genehmigung des Antrags auf Aktivierung durch die Tschechische Atomaufsichtsbehörde ohne vorherige unabhängige Untersuchung der Sicherheitsalarmberichte der letzten Wochen unverantwortlich wäre.

Vor einer allfälligen Aktivierung müssen alle Sicherheitsfragen restlos aufgeklärt werden, muß eine direkte Prüfung des Reaktors in Temelin durch eine unabhängige internationale Expertenkommission und eine Gesamt-Umweltverträglichkeitsprüfung mit internationaler Beteiligung erfolgen. Bei einer Hochrisikoanlage wie Temelin ist dies keine überzogene Forderung und entspricht auch europäischen Standards bei allen Risikoprojekten. In einer Nachdenkpause von einem Jahr sollten die vielen offenen Fragen geklärt werden. Die österreichische Öffentlichkeit fragt sich zu Recht, was die Betreiber zu verbergen haben, da sie eine unabhängige internationale Überprüfung von Temelin verweigern. Für Atomstrom aus Temelin gibt es in Tschechien keinerlei Bedarf. Schon derzeit gibt es in Tschechien einen enormen Stromüberschuß, die Inbetriebnahme von Temelin würde zudem die Arbeitslosigkeit von bis zu 20.000 Menschen in Nordböhmen bedeuten.

Österreichische Bürgerinnen und Bürger blockieren heute für 13 Stunden alle Grenzübergänge zwischen Tschechien und Österreich. Dies ist ein Zeichen des Protestes gegen die drohende Aktivierung von Temelin ohne unabhängige internationale Expertenüberprüfung, ohne UVP und ohne Untersuchung der aktuellen Sicherheitsalarmberichte. Dieser heutige Protest richtet sich keineswegs gegen die tschechischen Bürgerinnen und Bürger, sondern gegen das verantwortungslose Durchziehen der Aktivierung von Temelin ohne Klärung der offenen Fragen.
Wir führen diese Proteste gemeinsam mit vielen ebenso besorgten Bürgerinnen und Bürgern Tschechiens und Deutschlands durch. Es geht um unsere gemeinsame Sicherheit. Nur ein stillgelegtes Temelin ist ein sicheres Temelin.

Wir haben vor Jahren in einer ähnlichen Situation und ebenfalls gegen den Willen der Regierungen die Atomanlagen in Zwentendorf und Wackersdorf gestoppt. Jetzt haben wir den Atomausstieg in Deutschland durchgesetzt. Wir wollen ein zweites Zwentendorf und ein zweites Wackersdorf, damit es kein zweites Tschernobyl geben kann.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Temelin endgültig stillgelegt wird. Denn Temelin ist wirtschaftlich völlig sinnlos und wird zu enormen Kosten für die tschechischen Stromkonsumenten führen. Temelin ist für die tschechische Energieversorung völlig unnötig und ein tägliches Sicherheitsrisiko. Wird das AKW jetzt aktiviert, dann erhöhen sich die späteren Abwrackungskosten von Temelin enorm. Eine Aktivierung von Temelin wäre damit ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden für Tschechien.

Liebe Nachbarn, wir setzen uns für eine umfassende finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung der EU für einen Temelin-Ausstieg Tschechiens ein. Wir wünschen uns einen gemeinsamen Dialog darüber, wie ein Ausstieg aus Temelin verwirklicht werden kann, damit es mehr Sicherheit in unseren beiden Ländern gibt.

Eva Glawischnig Rudi Anschober
Abg. z. NR Klubobmann der Grünen Umweltsprecherin der Grünen im oö.Landtag

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