Jelinek und Olga Neuwirth planen Oper über Psychiater Heinrich Gross - Wiener Staatsoper und Salzburger Festspiele wollen Uraufführung

Vorausmeldung zu NEWS 40/00 vom 5. Okt. 2000

Wien (OTS) - Die Komponistin Olga Neuwirth und die Autorin
Elfriede Jelinek planen eine gemeinsame Oper über den Wiener Psychiater Heinrich Gross, der verdächtigt wird, während des Nazi-Reichs in der Klinik "am Spiegelgrund" Untaten an Behinderten begangen zu haben. Das berichtet NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Wie die österreichische Komponistin im NEWS-Interview anmerkt, wollen sowohl die Wiener Staatsoper als auch die Salzburger Festspiele das Werk 2005 (im jeweils letzten Jahr der Amtszeit der Intendanten) uraufführen. Die von der Komponistin vorgeschlagene Koproduktion komme allerdings nicht zustande.

Neuwirth tendiert nun eher zu den Festspielen, weil sie das Klangforum Wien den Philharmonikern vorzieht. Olga Neuwirth in NEWS zu dem allerdings erst in der Projekt- und Diskussionsphase befindlichen Werk:" Das Thema fasziniert Elfriede Jelinek und mich. Es symbolisiert die Scheinheiligkeit, die Verdrängungssucht, die Oberflächlichkeit der Wiener Gesellschaft, wo alle mit einander verbandelt sind. Wer dient, ist willkommen, ganz gleich, aus welch schrecklicher Ecke er kommt. Das passt zu unserer Regierung. Ich verstehe diese Oper auch als Zeichen. Ich will Gross nicht als Monstrum ausstellen, sondern als Menschen und Nachbarn sehen, inmitten eines Panoptikums der Wiener Gesellschaft. Für mich ist die Gestalt von beinhart kalkulierender Bösartigkeit mit der Fähigkeit zur Selbstsucht, bis zu vollkommener Geschichtsverleugnung. Von der Stimmlage ist er Heldentenor. Als Dirigenten wünsche ich mir Boulez oder Rattle."

Elfriede Jelinek zu NEWS über den Fall Gross: "Er ist eine der vielen dämonischen Figuren in Österreich, denen es gelungen ist, ein Leben lang als Biedermänner dazustehen. Hat einer ihre Taten aufgedeckt, in diesem Fall Werner Vogt, wurde er als Verbrecher und Denuntiant niedergemacht, sogar von der Ärzteschaft. In unserer oper wird es sicher ein Ärzteballett geben."

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