"Neue Zeit" Kommentar: "Schauspiel" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 3.10.2000

Graz (OTS) - Heute vor einem Jahr wurde die neue Zusammensetzung
des Nationalrates gewählt. Es war der Tag, nach dem alles anders wurde in dieser Republik. In Wahrheit wohl der Tag, an dem die Dritte Republik geboren wurde, die heute unter dem Titel "Wende" so hochprofessionell nach einem genau ausgetüftelten Drehbuch einem teils Beifall klatschenden, teils buh-rufenden, meist jedoch betroffenen Publikum vorgespielt wird.

Ein Stück, dessen Inhalt wohl schon am Wahltag klar war, genaue Regieanweisungen jedoch noch ausgearbeitet werden mussten. Schließlich galt es in "Wende" zu allererst die Rolle des Bundeskanzlers mit dem Dritten nach dem Wahlergebnis zu besetzen und gleichzeitig den relativen Wahlsieger für abgewählt zu erklären. Es musste die Umbesetzung der Hauptrollen entgegen dem Wahlergebnis als Wählerwille verkauft werden.

Die Rollenbesetzung durch den Regisseur Jörg Haider gegen den Willen des Intendanten Thomas Klestil war wohl der schwierigste Teil, ehe man mit dem Stück auf die Bühne gehen konnte. Es dauerte immerhin vier Monate bis die Inszenierung stand.

Danach war die Bühne frei für "Wende", ein obskures Schauspiel, das sich ständig zwischen Schmierenkomödie und griechischer Tragödie bewegt. Inhalt: Wie vermittelt eine Regierung den drohenden Finanzkollaps des siebentreichsten Staates der Welt, um seinen Bürgern treffsicher die elementarsten Sozialleistungen streichen zu können. Der Ausgang des Stücks ist noch offen.

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