"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Empfindlich wie die Mimosen

Ausgabe vom 30.9.2000

Mag die Wortwahl von Rudolf Kaske, als er warnte, ,,dann brennt die Republik", möglicherweise nicht ganz glücklich gewesen sein, dass die äußerst kreativen Sparpläne der FP/VP-Regierung gerade denjenigen, die er als Gewerkschafter vertritt - KöchInnen, KellnerInnen, FriseurInnen und HausbesorgerInnen, alles andere als Großverdiener -"brennende" Sorgen bereiten, ist eine Tatsache.

FPÖ und ÖVP geben sich mimosenhaft empfindlich. VP-Klubobmann Andreas Kohl vermeint, "einen derartigen Ton in der politischen Debatte in der Zweiten Republik noch nie erlebt" zu haben. Offenbar steckt er beim jetzigen Koalitionspartner "´s Köpferl in Sand". Die FPÖ, deren demokratiepolitische Qualitäten gerade noch mit ungewissem Ausgang auf dem Prüfstand der EU lagen, lehnt jeden Dialog mit "Zündlern, die den Boden der Demokratie verlassen haben", ab. Und auch der Bundespräsident ist mit der Aufforderung zur Mäßigung bei der Wortwahl ruckzuck zur Hand.

Der Verdacht liegt nahe, dass der Wirbel der Regierung gerade recht kommt, um die Diskussionen um die Auswirkungen der Sparpläne zu übertünchen, jetzt, wo die EU-Sanktionen nicht mehr dafür herhalten können. VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat hat gemeint, man müsse den Österreichern die nötigen Maßnahmen "erklären", dann würden sie Akzeptanz finden. Aber den "kleinen Arbeitern, den Fleißigen und Tüchtigen" im Lande sind bereits die Augen aufgegangen. Dass sich Unmut breit macht, ist kein Wunder. Und wo Unmut ist, ist immer die Gefahr der Eskalation.

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