Auf dem Weg zur "global governance"

"24. Salzburger Humanismusgespräch" fortgesetzt: Neue Regeln für Globalisierung gefordert

Salzburg, 29. September 2000/ Mit vier hochklassigen Vorträgen von Univ.-Prof. Dr. Herwig Büchele SJ, Sozialethiker/Theologische Fakultät Innsbruck, Dr. Björn Engholm, Ministerpräsident a. D./Lübeck, Univ.-Prof. Dr. Ernst Leitner, Leiter der Forschungsabteilung bei Novartis/Biochemie Kundl und Trend-Herausgeber Helmut Gansterer wurde am heutigen Freitag Vormittag das "24. Humanismusgespräch" im ORF Landesstudio Salzburg fortgesetzt. Die Vortragenden widmeten sich wie am Vortag der Aufarbeitung des Generalthemas "Wirtschaft und Ethik - ein Widerspruch? - Bleibt der Mensch auf der Strecke?".<p>
Alle Referenten stimmten überein, dass die durch die Globalisierung hervorgerufenen Probleme nicht mehr von Nationalstaaten allein gelöst werden können. Darum gelte es, eine "global governance" -eine Art globales Grundgerüst von Regeln - zu entwickeln, die ein ethisch gerechtes Zusammenleben aller Staaten in einer kapitalistisch geprägten Welt ermöglicht. Univ.-Prof. Dr. Büchele betonte, "dass das Überleben der Stärksten nicht das Überlebensprinzip in einer globalen, multinationalen Gesellschaft sein kann." Darum sei es wichtig, transnationale Bewegungen wie Greenpeace und multinationale Konzerne an einen Tisch zu bringen, um dringende Probleme wie instabile Finanzmärkte etwa durch eine Steuer auf kurzfristige Kapitalbewegungen (Tobin-Steuer) zu unterbinden. Dieser "Internationale Solidarrat" könnte in weiterer Folge auch eine weltweite ethische Kultur entwickeln, was zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft zähle.<p>

Dr. Engholm forderte dazu auf, aus der Geschichte zu lernen und nicht den Fehler zu begehen, die Globalisierung rückgängig machen zu wollen. "Wir können den Zug der Zeit, der sich durch die Revolution in der Informationstechnologie nochmals beschleunigt hat, nicht aufhalten. Viel mehr sollten wir die Vorteile des "global village" nutzen und die Grundregeln für Arbeit, Markt und neu definieren.<p>

Dr. Leitner von Novartis/Biochemie Kundl präsentierte den für alle Novartis-Betriebe weltweit geltenden Unternehmenscodex: Die darin enthaltenen Vorschriften und selbst auferlegten Verhaltensregeln enthalten unter anderem das Verbot der Diskriminierung von Mitarbeitern, das Vorgehen bei Korruptionsfällen und ökologische Vorsorgemaßnahmen. Vergehen gegen diesen Codex werden mit Sanktionen geahndet, die bis zum Ausschluss aus dem Unternehmen reichen. "Diese ethischen Verhaltensregeln haben sich mit der Zeit allesamt in ökonomische Vorteile umgewandelt", so Leitner. "Unsere Maßnahmen für eine sauberere Umwelt haben uns beispielsweise eine Vorreiterrolle im Bereich des EU-weiten ökologischen Wirtschaftens eingebracht." <p>

Auch er plädierte für eine weltweite Regelung des Marktes, um überall nach einheitlichen Standards produzieren zu können. "Das würde helfen, Wettbewerbsverzerrungen, die beispielsweise durch niedrigere Umweltstandards in Ländern der dritten Welt zustande kommen, auszuschließen."<p>

Trend-Herausgeber Gansterer rundete den Vormittag mit einem positiven Ausblick auf den künftigen Stellenwert von Humanismus und Ethik in einer kapitalistisch dominierten Welt ab. "Seit Adam Smith und der Auflösung feudalistischer Strukturen ist die Wirtschaft durch eine stetige Humanisierung geprägt. 1970 hat erstmals der Begriff "Mitarbeiter" in den wirtschaftlichen Sprachgebrauch Eingang gefunden und die Grün-Bewegung in den 80er Jahren hat eine Humanisierung in der Ökologie ausgelöst, die vorher unvorstellbar gewesen wäre. Heute wissen wir, dass alle Unternehmen aus ökologischen Maßnahmen mittel- und langfristig ökonomische Vorteile ziehen."

Weitere Informationen über das "24. Salzburger Humanismusgespräch" unter http://salzburg.orf.at sowie unter http://wko.at/sbg/

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