"24. Humanismusgespräch" zum Generalthema "Wirtschaft und Ethik - ein Widerspruch? - Bleibt der Mensch auf der Strecke?" eröffnet

Der Markt ist nützlich, aber nicht heilig

Salzburg, 29. September 2000/WK Sbg. Mit viel Prominenz aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ging gestern, Donnerstag, 28. September, im ORF Landesstudio Salzburg die Eröffnung des "24. Humanismusgesprächs" zum Generalthema "Wirtschaft und Ethik - ein Widerspruch? - Bleibt der Mensch auf der Strecke?" über die Bühne. Die gemeinsame Veranstaltung von ORF Salzburg, "Salzburger Nachrichten" und Wirtschaftskammer Salzburg läuft noch bis morgen, Samstag, 30. September, die anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der WK Salzburg der Zukunft der Kammern in Österreich gewidmet ist.<p> ORF-Landesintendant Friedrich Urban verwies in seiner Begrüßungsrede auf die langjährige Tradition des Humanismusgesprächs, das seit 1965 veranstaltet wird. Das Humanismusgespräch habe sich mittlerweile als internationales Forum geistiger Auseinandersetzung etabliert. Das diesjährige "24. Salzburger Humanismusgespräch" widmet sich der brennenden Frage, ob die wirtschaftliche Entwicklung hin zu einer Chancengesellschaft gehe oder sich eine "randalierende Marktwirtschaft" etabliere. <p>

WK-Präsident Komm.-Rat Rainhardt Buemberger hob in seinen Grußworten hervor, dass es nicht nur Aufgabe einer unternehmerischen Interessenvertretung sei, sich mit ökonomischen, sozial- oder bildungspolitischen Themen zu befassen. Vielmehr gehöre es zum Selbstverständnis einer großen und die gesamte Wirtschaft umfassenden Interessenvertretung, sich auch mit gesellschaftspolitischen Fragen wie etwa der Wirtschaftsethik auseinander zu setzen.<p>

Arbeit als Schlüssel zur sozialen Frage<p>

Die beiden Eröffnungsreferate bestritten Univ.-Prof. Erich W. Streissler vom Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien und Dkfm. P. Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck, Abt des Cistercienserstiftes Heiligenkreuz. Die anschließende Diskussion wurde von Dr. Erhard Busek, Regierungsbeauftragter für die EU-Osterweiterung, geleitet.<p>

Henckel Donnersmarck sah in der Benediktus-Regel "ora @ labora" in modernisierter Form den Schlüssel zur sozialen Frage und in der Globalisierung die Chance, christliches Denken weltweit zu etablieren. "Wo wären die soziale Idee und der Humanismus besser aufgehoben als bei der Kirche?", so Henckel Donnersmarck. Er sprach davon, die Globalisierung zu begrüßen. Denn sie ermögliche eine "one village world". Allerdings plädierte der Abt des Cistercienserstiftes Heiligenkreuz auch für eine globale Rechtsordnung, damit die Globalisierung in Solidarität und Subsidiarität stattfindet und nicht zur viel zitierten Globalisierungsfalle wird. Zur Frage einer "Ethik des Marktes" stellte Henckel Donnersmarck deshalb auch fest: "Der Markt ist nützlich, aber nicht heilig, er bedarf einer Rechtsordnung, in die er eingebunden ist." <p>

Streissler betonte, dass eine generelle ethische Bewertung nicht möglich sei. "Bereits im Alten Testament steht geschrieben: die Armen habt ihr immer", so der Wirtschaftswissenschafter. Als Verlierer der "modernen Unternehmerwirtschaft" sieht er jedoch nicht die Konsumenten, sondern vielmehr immer wieder Produzenten. "Sie sind es, die durch den raschen technologischen Wandel, den zunehmenden Wettbewerb und die Globalisierung als Erste unter Druck geraten." Streissler rief dazu auf, sich den raschen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen und nicht alles auf den Sozialstaat abzuwälzen. "Auf der Strecke bleiben jene, die ständig fordern! Sie erkennen nicht, dass dadurch andere weniger haben und so das Gesamtgefüge zerstört wird." Während der Staatsausgabenanteil am österreichischen Sozialprodukt weltweit mit 51% an der Spitze stehe, meinten viele in Österreich, es werde Sozialabbau betrieben. Streissler kritisierte das "zügellose Anspruchsdenken" in Österreich.<p>

In der anschließenden Diskussion wandte sich Dr. Björn Engholm, Minister und Ministerpräsident a. D., Leipzig, gegen die zur Zeit herrschende Verengung gesellschaftlichen Denkens auf die ökonomische Rationalität. Engholm kritisierte eindringlich die zunehmende Unterwerfung des menschlichen Lebens unter die Sachzwänge der ökonomischen Verwertbarkeit.

Weitere Informationen über das "24. Salzburger Humanismusgespräch" unter http://salzburg.orf.at sowie unter http://wko.at/sbg/

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