"Neue Zeit" Kommentar: "Kollaps" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 28. 9. 2000

Graz (OTS) - Der steirische Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger wurde der Panikmache geziehen, als er auf die Gefahren für die medizinische Versorgung durch das Sparprogramm der Regierung im Spitalsbereich verwies. Wenn Dörflinger unterstellt wird, er argumentiere im Lichte der Landtagswahl am 15. Oktober, so gilt dieser Vorwurf wohl kaum für die Ärztekammer. Der oberste Ärztevertreter Otto Pjeta warnte gestern im Zusammenhang mit der Einführung von Ambulanzgebühren am 1. Jänner kommenden Jahres vor einem Kollaps des Gesundheitssystems. Es zeigt sich im Gesundheitsbereich, der einer der sensibelsten einer Gesellschaft ist, dass die Regierung nach dem gleichen Strickmuster vorgeht, wie auf so vielen anderen Gebieten, von der Bildung bis zu den Beamten. Auf der einen Seite werden Leistungen gekürzt, auf der anderen Seite wird noch kräftig kassiert. Was dabei herauskommt, zeichnet sich immer deutlicher ab: Eine Zerschlagung der bisherigen Strukturen, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Sozial- und Bildungsbereich. Mit einem Wort, der Kollaps, wie es der Ärztekammer-Präsident pointiert formulierte. Schließung von Spitälern, drastische Verteuerung der medizinischen Grundversorgung, Sparen beim Personal kann nur auf eines hinaus laufen: Wie an den Universitäten wird es in Kürze auch in der Medizin einen sozialen Numerus Clausus geben. Gesund werden oder bleiben können nur jene, die genug Geld dafür haben. Ein echtes Armutszeugnis für das siebentreichste Land der Welt.

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