Kommentar zur Industrie Die Industriellen bauen um von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Das einschneidende Reform- und Sparprogramm der Vereinigung der Österreichischen Industrie (IV) in ihrer Wiener Zentrale (vgl. WB 27.9., siehe auch heute D2) wurde aus der Not geboren: Der Interessenvertretung fehlt so wie anderen ehrwürdigen Institutionen Geld. Als Spezifikum kommt hinzu, dass der Weg ins Defizit mit einer gewissen Konsequenz beschritten wurde. Im April 1998 entledigte sich die IV ihres Kommunikationschefs und Chefredakteurs der Zeitschrift "Industrie", Milan Frühbauer. Ihren Signum-Verlag verscherbelte sie noch im selben Jahr an das deutsche Consulting-Unternehmen Axel Westerwelle, der das Magazin "Industrie" aufpäppeln sollte. Es war tatsächlich bald nicht wiederzuerkennen -aber alles andere als profitabel. Im Juli 2000 stieg die Industriellenvereinigung aus dem Vertrag aus, die "Industrie" wurde eingestellt, der Signum-Verlag meldete Konkurs an. Und alles zusammen hinterliess ein fatales Finanzloch im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz. Jetzt wird ausgelagert und abgebaut, von 103 IV-Angestellten sollen nur 63 behalten werden. Parallel dazu entdeckt die Führung der Industriellen das Lobbying als Hauptaufgabe, wobei die Energie vor allem in Brüssel, also im EU-Rahmen, aufgewendet werden soll. Andere Aufgaben wie der Service für Mitglieder werden nur noch spezifisch möglich sein. Generalsekretär Lorenz Fritz zeigt einen für die IV überraschenden Ersatz: "Die Wirtschaftskammer ist sogar bei 30-prozentiger Kürzung ihrer Mitgliedsbeiträge von ihren Ressourcen her viel besser in der Lage, diesen Service wahrzunehmen." Nach den Hahnenkämpfen, die in den vergangenen Jahren zwischen IV und WKÖ aufgeführt wurden, klingt das fast schon wie eine Kapitulation, auch wenn sie keine sein soll.

Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl,
kämpferisch in viele Richtungen, hätte auch heute noch das Verhältnis gern andersherum: Die Wirtschaftskammer solle die Sektion Industrie auflösen und die Kompetenz samt Mitgliedsbeiträgen der IV überlassen. Denn die WKÖ sei zu sehr im Gewerblichen verstrickt. So wird das natürlich nicht gespielt. Eine andere Entwicklung ist offen, und Raidl deponiert verhaltene Sorge: "Die IV hat gute Leute, die auch hervorragende Denkarbeit leisteten. Es wäre schade, wenn es die guten IV-Analysen nicht mehr geben sollte."

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