"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Morgen werden wir es wissen

Ausgabe vom 27.9.2000

Alles spricht dafür, dass die jugoslawische Opposition mit Vojislav Kostunica einen überragenden Sieg davongetragen hat. Slobodan Milosevic ist demokratisch geschlagen. Doch niemand weiß heute, ob er sich geschlagen geben wird. Erst wenn die amtliche Wahlkommission ihr Schweigen bricht, werden die jugoslawischen Bürger und die Welt erfahren, was der Kriegsherr plant. Geordneten Rückzug oder Krieg.

Das amtliche Wahlergebnis wird über drei mögliche Szenarien Auskunft geben: Oppositionssieg und demokratische und europäische Normalisierung. Stichwahl, und damit noch größere Niederlage für Milosevic, aber mit relativem Zeitgewinn. Oder Sieg der Regierungspartei, und damit neuer, verheerender Flächenbrand auf dem Balkan. Bürgerkrieg und Intervention des Westens wären wohl unvermeidlich. Die Würfel fallen in diesen Stunden.

Wenn es allein von Slobodan Milosevic abhinge, das reale Wahlergebnis anzuerkennen - ich denke, das wäre nicht das ganz große Problem. Hat doch auch die Opposition zugesagt, ihn nicht an Den Haag auszuliefern. Doch an Milosevic hängen Clans, Gangs und Mörderbanden, die es Milosevic nie verzeihen würden, sie mit ins Nichts, in den Abgrund gerissen zu haben. Milosevic muss beim Eingeständnis seiner Niederlage nicht vor seinen politischen Gegnern, nicht einmal vor dem Kriegsverbrechertribunal, sondern allein vor seinen Freunden zittern.

Morgen werden wir es wissen. Gebannt blickt die Welt auf Belgrad.

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