Brauner strikt gegen gemeinsame Obsorge nach Scheidung

"Regierungsvorschlag ist ein Schritt zurück - Leidtragende sind Frauen und Kinder"

Wien, (OTS) Mit aller Deutlichkeit sprach sich Wiens Frauenstadträtin, Mag. Renate Brauner, Dienstag, gegen den Vorschlag der Bundesregierung, gemeinsame Obsorge nach der
Scheidung zu ermöglichen, aus. "Gemeinsam Obsorge heißt im Klartext Abhängigkeit des einen Elternteils vom anderen
Elternteil. In der Regel bedeutet das vor allem für die Frauen einen großen Schritt zurück", unterstrich Brauner. "Statt Konflikte zu verringern, werden sie durch dieses Vorhaben vergrößert und die Frau wird dadurch zur Bittstellerin gegenüber dem Mann. Der Mann kann somit auch noch nach der Scheidung und
auch dann, wenn die Kinder bei der Mutter leben, Druck auf die Mutter ausüben", verdeutlichte die Stadträtin weiter. Wer wirklich an einer gemeinsamen Verantwortung für die Kinder interessiert
ist, hat zudem, so Brauner weiter, bereits jetzt die Möglichkeit die gemeinsame Obsorge vertraglich zu regeln. Viele Männer machen von dieser Regelung bislang aber nicht Gebrauch. Für Brauner ein Indiz mehr, dass es wie in vielen anderen Bereichen auch, der
neuen Bundesregierung nicht um die Verbesserung der Situation der Kinder oder gar der Mütter gehe, sondern um Gesellschaftspolitik gegen die Eigenständigkeit von Frauen.****

Nach dem Regierungsvorhaben kann die gemeinsame Obsorge
gleich nach der Scheidung beantragt werden, also zu einem
Zeitpunkt, an dem noch nicht feststeht, wie die beiden Elternteile miteinander auskommen. Ohne diese "Abkühlphase" - wie sie vom ehemaligen Justizminister Dr. Nikolaus Michalek zumindest
vorgesehen war - kann eine dermaßen wichtige Entscheidung nicht getroffen werden. "Niemand weiß, wie die ehemaligen Ehepartner
nach der Scheidung miteinander auskommen", machte Brauner auch auf den sensiblen Bereich Gewalt in der Familie aufmerksam. Im Scheidungsverfahren kann der Mann die gemeinsame Obsorge als Druckmittel gegen sein Frau verwenden: Und gerade bei Scheidungsverfahren wegen Gewalt gegen Frauen wäre die Frau nach der Scheidung durch die gemeinsame Obsorge weiterhin Repressalien durch den Mann ausgeliefert.

Mit der Regelung der gemeinsamen Obsorge würde das Familienrecht um Jahrzehnte zurückgeworfen, der Elternteil, der nicht im gemeinsamen Haushalt mit dem Kind lebt, hätte auch nach einer Scheidung die volle Verfügungsgewalt über die Kinder. In der Praxis bedeutet das, dass Väter, auch wenn sie sich nicht um ihre Kinder kümmern, in sämtliche Entscheidungen, die ihre Kinder betreffen, eingebunden werden müssen. "Wie es im Alltag aussehen wird, können wir uns jetzt schon ohne viel Fantasie ausmalen: Die Mutter hat die Pflichten und die Arbeit, der Vater hat das Sagen
und das alles passiert auf dem Rücken der Kinder", prophezeite Brauner.

"Eine moderne Frauenpolitik steht für ein selbstbestimmtes
und eigenständiges Leben von Frauen, sie steht im Sinne einer modernen Familienpolitik auch für bestmögliche Voraussetzungen für das Leben der Kinder", verdeutlichte die Wiener Frauenstadträtin abschließend ihre Ablehnung der gemeinsamen. (Schluss) kat

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