ÖGJ: Wirtschaft bei Lehrlingsausbildung in die Pflicht nehmen

Österreichische Gewerkschaftsjugend fordert Ausbildung mit Zukunft

Wien (ÖGJ). Außerordentlich erfreut zeigte sich heute, Dienstag, der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Albert Maringer, über die Auszeichnung von Lehrlingen, die das Berufsschuljahr mit ausgezeichnetem oder gutem Erfolg abgeschlossen haben. Eines steht für Maringer jedoch fest: "Ich hoffe, Ministerin Gehrer, die die Preise übergibt, genießt diese Feierlichkeit, denn es könnte die Letzte dieser Art sein."++++

Der ÖGJ-Vorsitzende spielt damit auf die unzähligen von der derzeitigen Regierung beschlossenen Verschlechterung für Lehrlinge an. "Etwa 40.000 Jugendliche beginnen heuer mit einer Lehre. Für mehr als die Hälfte von ihnen besteht durch Änderungen im Berufsausbildungsgesetz die Gefahr, dass sie nie die Chance auf Ausbildung mit Zukunft bekommen - sei es, weil es für sie keine reguläre Ausbildung mehr gibt, weil sie öfter die Lehrstelle wechseln müssen oder weil sie stärker als bisher zur Hilfsarbeit herangezogen werden können."

"17 Prozent der Jugendlichen fallen jährlich bei der Lehrabschlussprüfung durch. Und das immer öfter bei Firmen, bei denen dies schon Tradition geworden ist", erklärt Maringer. "Doch anstatt die Qualität der Ausbildung in den Firmen zu verbessern und stärker zu kontrollieren, wird die Schuld sofort auf den Jugendlichen abgeladen."

Dasselbe gelte, so Maringer, für Lehrberufe im Informationstechnologie-Bereich: "Ständig bekommt man zu hören, wie dringend die Wirtschaft Fachkräfte im IT-Bereich braucht. Aber niemanden scheint zu interessieren, dass es nicht die Jugendlichen sind, die diese Berufe nicht erlernen wollen. Ganz im Gegenteil - die Wirtschaft bietet viel zu wenig Lehrstellen an." So werden in ganz Österreich gerade 321 Jugendliche im Beruf EDV-Kauffrau oder EDV-Kaufmann ausgebildet, obwohl 1.000 Betriebe ausbilden könnten. Maringer: "Solange die derzeitige Regierung die Ausbildung ständig verschlechtert und gleichzeitig der Wirtschaft Steuerzuckerl nachwirft, wird die Qualität der Lehrlingsausbildung nicht steigen. Wir fordern deshalb, dass die Regierung endlich die Wirtschaft in die Pflicht nimmt und für mehr Lehrstellen und eine Qualitätssteigerung in der Lehrlingsausbildung sorgt." (aw)

ÖGB, 26. September 2000
Nr. 781

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