40% mehr Unfälle mit Lkw-Beteiligung seit 1990

Wien (OTS) - KfV-Studie im Auftrag der AK zeigt: Mehr als die Hälfte aller Lkw-Unfälle auf Autobahnen sind Auffahrunfälle

  • Problem: zu geringer Abstand, zu hohe Geschwindigkeit, Übermüdung
  • KfV stellt Maßnahmenkatalog vor.

In den vergangenen 10 Jahren kam es in Österreich generell zu einem Rückgang der Unfälle mit Personenschaden. Im Gegensatz dazu stieg die Zahl der Unfälle mit Lkw-Beteiligung auf Autobahnen um rund 40% an, wobei die Verletzungsschwere hier besonders hoch ist. Rund 55% davon sind Auffahrunfälle. Hoch sind auch die volkswirtschaftlichen Kosten, die Lkw-Unfälle auf Autobahnen verursachen: Allein in den vergangenen 5 Jahren betrugen sie rund 2,8 Milliarden Schilling. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) bietet daher konkrete Lösungen an.

Problem: zu wenig Respektabstand zum "Vordermann"

Schauplatz Autobahn: Hinter einem überholenden Lkw "drängeln" sich Fahrzeuge, besonders ungeduldige Lenker fahren dicht auf, um ihre Eile und ihren Unmut zu demonstrieren. In dieser Situation genügt eine leichte Geschwindigkeitsreduktion des Lkw-Fahrers - schon ist er passiert, der Auffahrunfall.

Dieses Szenario ist eine der Erklärungen für die vielen Auffahrunfälle, in die Lkw-Lenker verwickelt sind. Stark gestiegen sind in den letzten Jahren auch die Lkw-Unfälle, die sich beim Wechseln eines Fahrstreifens ereignen, sie machen mittlerweile 17% des Lkw-Unfallgeschehens auf Autobahnen aus. Ein ständiger Mitverursacher von Unfällen ist die zu hohe Geschwindigkeit, mit der drei von vier Lkw-Fahrern unterwegs sind.

Hohes Verletzungsrisiko

Unfälle mit Lkw-Beteiligung haben meist schwerwiegende Folgen:
Während sich von den beteiligten Lkw-Lenkern "nur" 27% verletzen, werden 2 von 3 Lenkern anderer Fahrzeuge verletzt oder getötet. Die Wahrscheinlichkeit, als Verunglückter bei einem Lkw-Unfall auf Autobahnen getötet zu werden, ist mit 6% deutlich höher als bei einem Autobahnunfall ohne Lkw-Beteiligung (3%).

Risikofaktor Mensch

Die genaue Unfallursache konnte bei zwei Drittel der Lkw-Unfälle festgestellt werden. Hauptursache ist mit 38% die Fehleinschätzung der Verkehrssituation, dicht gefolgt von mangelnder Wachsamkeit mit 30% - eine Gefahrenquelle, die in den Nachtstunden deutlich zunimmt. "Übermüdung ist ein ernstzunehmendes Unfallrisiko und gleichzusetzen mit Alkohol am Steuer", meint KfV-Direktor Dr. Othmar Thann. Verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie Reaktionsschwäche sind oftmals das Ergebnis von Termindruck und überschrittenen Lenkzeiten. Hier sind besonders die Transportunternehmen aufgerufen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Effizienz zu finden.

Das KfV schlägt vor:

1. Verkehrsplanungsmaßnahmen

  • Verlagerung des Güterverkehrs auf Schiene bzw. Schiff
  • Lkw-Überholverbot auf unfallträchtigen Straßenabschnitten
  • Regelmäßige Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen
  • Abstandsmarkierungen auf allen Fahrstreifen

2. Maßnahmen betreffend Unternehmen

  • Sicherheit muß auch für Unternehmer wichtig sein
  • Europaweite Zertifizierung bei hohem Sicherheitsstandard
  • Strafe bei Nichteinhaltung der Lenk- und Ruhezeiten (nicht nur für Lenker, auch für Unternehmer)

3. Maßnahmen betreffend Lenker

  • Verbesserte Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung der Ladungssicherung
  • Punkteführerschein

4. Europaweite Maßnahmen im Lkw

  • Obligatorische Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzern für alle Lkw über 3,5 Tonnen
  • Verpflichtender Einbau eines Unfalldatenspeichers für Lkw über 3,5 Tonnen
  • Elektronische Fahrtschreiber mit Fahrerkarte für alle Lkw (inklusive Nachrüstungsverpflichtung)

Bei Bedarf sind Grafiken zu diesem Thema verfügbar.

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