Kommentar über Interventionen - Die Rückkehr der Nachtwächter von Wolfgang Unterhuber

Ausgabe vom 26.9.2000

Wien (OTS) - Für Liberalisierungs-Fetischisten, die Eingriffe des Staates fürchten wie der Teufel das Weihwasser, war das vergangene Wochenende kein gutes. So hatten die Notenbanken der USA, Japans, Grossbritanniens und der Euro-Staaten am Freitag erstmals Stützungskäufe für die EU-Währung vorgenommen. Kurz darauf bekräftigten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7, weiter für den Euro intervenieren zu wollen, sollte der Kurs der EU-Einheitswährung wieder fallen. Auch an der Öl-Front gab es eine Überraschung. US-Präsident Clinton gab die strategischen Ölreserven seines Landes frei, um die hochschiessenden Preise zu drücken. Es ist das erste Mal, dass die USA ihre Ölreserven in Friedenszeiten anzapfen. Die beiden Beispiele zeigen: Wer in der Vergangenheit im Zuge der globalen Liberalisierung die Rolle des Staates automatisch auf ein Nachtwächter-Dasein zurechgestutzt sah, hat sich geirrt. Die Politik will nicht nur aufpassen, dass nichts passiert, sondern wieder aktiv eingreifen. Bleibt allerdings die Frage, ob das überhaupt noch mit der wirtschaftspolitischen Realität vereinbar ist. Interventionen sind nur dann erfolgreich, wenn sie einerseits die Märkte überraschen und andererseits dem Weltwirtschafts-Wachstum dienen. Im Fall des Euro ist das gelungen. Wer hätte geglaubt, dass die Amerikaner noch vor ihrer Präsidentenwahl für eine konzertierte Aktion zu haben sind. Ausgerechnet Finanzminister Summers - sonst ein Verfechter des harten Dollar - hat sich durch die akute Gefahr für die US-Exporte und -Börsen dazu hinreissen lassen, der Intervention seinen Sanktus zu geben. Das wird die Weltwirtschaft vor Währungsturbulenzen retten und dem Euro ein gewisses Mass an Stabilität bescheren. In puncto Ölreserven ist den Amerikanern zwar die Überraschung gelungen, ob die Aktion nach einer kurzfristigen Preisstabilisierung langfristig von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt fraglich. Erstens sind die freigegebenen Mengen zu gering und zweitens ist das Ganze eher als Wahlkampfmanöver zu sehen. Den Europäern und Japanern aber fehlen überhaupt die notwendigen Reserven, um die Opec nachhaltig unter Druck setzen zu können. Und dass man mit Hilfe von Öl-Förderländern, die nicht der Opec angehören, das Kartell austricksen kann - wie sich das einige europäische Politiker vorstellen - bleibt wohl ein frommer Wunsch. (Schluss) wu

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