Kommentar zum Euro - Prosperität und Schwächen Europas von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Dass europäische Exporteure seit Monaten über Absatzsteigerungen im aussereuropäischen Raum jubeln und amerikanische Touristen sich der Billig-Trips nach Europa erfreuen, ist nett, kann aber auf die Dauer kein weltwirtschaftlich sinnvolles Rezept sein. Auf jeden fröhlichen Exporteur aus Euro-Land kommt ein unter wachsendem Kostendruck stöhnender Exporteur in den USA. Der Druck des Ungleichgewichts von Euro zum Dollar entlud sich am Freitag in dem gemeinsamen Interventionsbeschluss der Europäischen Zentralbank, der USA und Japans. Ein Soforterfolg stellte sich noch am selben Tag ein. Die entscheidende Frage, ob sich der Euro auf Dauer gegenüber dem Dollar festigen und den blamablen Tiefststand von weniger als 0,85 hinter sich lassen wird, hängt nur zum geringeren Teil vom Geschick der Interventionsmächte ab. Sie führt vielmehr zurück in die zwiespältige europäische Welt. Auf der einen Seite nämlich rühmt der Präsident der Europäischen Zentralbank, Willem Duisenberg, völlig zu Recht die wirtschaftliche Stärke des Euro-Raums: Fast vier Prozent reales Wachstum im ersten Halbjahr, eine gute Aussicht auf anhaltendes dreiprozentiges Wachstum, Exporterfolge, Zuwächse auch an Arbeitsplätzen. Jedoch als Kehrseite:
"Die anhaltenden Kursverluste des Euro in den letzten Monaten passen nicht zu den positiven wirtschaftlichen Eckdaten.³ Sehr wohl aber passt die Euro-Schwäche zu den selbstverursachten Imagemängeln Europas. Ein Hü und Hott in der Finanz- und Steuerpolitik der einzelnen Euro-Staaten, das Abseits so wichtiger EU-Mitglieder wie Grossbritannien, das Stocken der Institutionenreform, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der Liberalisierung und schliesslich so signalhafte Auseinandersetzungen um die gemeinsame europäische Vision wie jetzt die Euro-Volksabstimmung der Dänen: Das alles kostet Vertrauen und weckt in der Welt Zweifel. Die Interventionsentscheidung hat auch mit dem am 28. September stattfindenden Referendum in Dänemark zu tun. Ein positives Votum wäre ein erster Schritt, der europäischen Währung ins Gleichgewicht zu verhelfen. Ein dänisches Nein wäre kontraproduktiv, aber keine Katastrophe: EU-Politiker haben zahlreiche Möglichkeiten, europäisch im besten Sinn zu handeln, ohne durch Zufälligkeiten von Abstimmungen gestört zu werden. (Schluss) was

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