Kommentar zur Bildungspolitik

Wo bleibt die moderne Bildungspolitik? von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Dieser Regierung fehlt der bildungspolitische Plan. Zuletzt gesetzte Aktionen und unausgereifte Ideen beweisen das. So wollte Finanzminister Grasser die Schülerzahlen in den Klassen erhöhen, was unweigerlich das Ausbildungsniveau nach unten gedrückt hätte. Nach massiven Protesten sagte Grasser, dass er das so nicht gemeint habe. Wie dann? Unterrichtsministerin Gehrer wiederum denkt nicht im Traum daran, Wirtschaft als eigenes Fach in den Schulen einzuführen. Obwohl eben erst eine internationale Studie zeigte, dass Österreichs Schüler von Wirtschaft absolut keinen Tau haben. Stattdessen wird halt weiter Latein als Pflichtfach (warum nicht als Freifach?) unterrichtet. Eine Sprache, die immerhin vor 1500 Jahren ausgestorben ist. Das passt, nebenbei gesagt, gut zur Forschungspolitik, die derzeit betrieben wird. Da verspricht die Regierung, die F&E-Quote bis 2005 von im internationalen Vergleich läppischen 1,8 auf 2,5 Prozent des BIP anzuheben, und dreht gleichzeitig Forschungsstätten den Geldhahn ab. Etwa am Wiener AKH. Dort wurden vor kurzem die Zahlungen des Bundes für Lehre und Forschung eingestellt. Begründung: Man habe zu viel gezahlt. Zu viel heisst aber nicht, dass man gleich auf null stellen muss. Erhebt sich nebenbei die Frage, wie viel dieser Regierung die bestmögliche medizinische Versorgung von Patienten eigentlich wert ist. Auch der neueste Plan, die Einführung von Studiengebühren, zeigt, dass Schwarz-Blau ausser Sparen nicht viel einfällt. Denn die Gebühren sind eine reine Geldbeschaffungsaktion. Offiziell soll mit den Einnahmen die Struktur an den Universitäten verbessert werden. Hauptsächlich müssen damit aber die Stipendien erhöht werden, damit sich die Studenten die Gebühren überhaupt leisten können. Ist das logisch? Warum nicht Aufnahmeprüfungen statt Gebühren? Warum nicht die Sozial-Stipendien abschaffen und dafür nur noch Leistungsstipendien vergeben? Die könnten nach Zahl abgelegter Prüfungen in einem bestimmten Zeitraum und Notendurchschnitt festgelegt werden. Dafür sollten die Leistungsgelder so hoch sein, dass ein Student nicht nebenbei arbeiten muss. Und warum nicht auch ein Leistungssystem für die Professoren einführen? Stattdessen wird alles dem Null-Defizit untergeordnet. Die fortschrittliche Bildungspolitik bleibt dafür auf der Strecke. (Schluss) wu

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