Leitl in München: Gemeinsam auf EU-Erweiterung vorbereiten

Auch bei Europa-Förderungsprogramm und der Lehrlingsausbildung wollen Bayern und Österreich stärker kooperieren

Wien (PWK790) - Bayern und Österreich sind seit jeher in guter Nachbarschaft verbunden. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in den engen Wirtschaftsbeziehungen wieder: Bayern ist Österreichs wichtigster Wirtschaftspartner und Österreich ist ein bedeutender Absatzmarkt Bayerns. "Auch heuer läuft der bilaterale Außenhandel sehr gut. Die positive Konjunkturlage wirkt sich positiv sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten auf beiden Seiten aus. Die räumliche Nähe, vergleichbare Vertriebs- und Rechtssysteme sowie der Wegfall aller Sprach- und Mentalitätsgrenzen lassen Bayern und Österreich gleichsam als 'Heimmarkt' sehen", erklärte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich Christoph Leitl heute, Mittwoch, im Münchner Presseklub.

Gemeinsamkeiten ergeben sich aber auch in dem für Europa sehr bedeutenden Prozess der Erweiterung der Europäischen Union, betonte Leitl. "Schließlich teilen sowohl Bayern als auch Österreich gemeinsam die Grenze mit der Tschechischen Republik, einem Kandidat der ersten Runde. Nicht nur die Beitrittskandidaten müssen sich auf den Beitritt vorbereiten, sondern auch die Mitglieder der EU und die EU mit ihren Institutionen. Österreich muss beispielsweise den Grenzregionen sowie dem Aspekt des Arbeitens über die Grenze und der Arbeitskräftefreizügigkeit besonderes Augenmerk schenken. Dies trifft im großen und ganzen auch auf Bayern zu."

"Ist man gut vorbereitet", zeigte sich Leitl überzeugt, "wird die EU-Erweiterung wesentlich mehr Chancen als Risiken mit sich bringen. Deutschland und Österreich haben von der Ostöffnung besonders profitiert und werden dies auch bei der bevorstehenden EU-Osterweiterung tun." Die großen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der Erweiterung werden in Österreich inzwischen nicht nur von Wirtschaft und Politik, sondern auch von der Bevölkerung gesehen. Laut neuesten Umfragen sprechen sich bereits mehr als die Hälfte der Österreicher für die Osterweiterung (53:44 Prozent) aus. Vor zwei Jahren waren noch 55 Prozent dagegen und nur 41 Prozent dafür.

Zum Aktiensplit von Bank Austria und der Bayerischen Hypo-Vereinsbank bemerkte der Wirtschaftskammerpräsident, dass die Österreicher auf der einen Seite stolz sind, wenn sich Unternehmen von Weltruf wie BMW, MAN oder Siemens in Österreich niederlassen. "Auf der anderen Seite müssen wir auch anerkennen, wenn österreichische Betriebe aus nachvollziehbaren strategischen Überlegungen mit internationalen Partnern zusammengehen. Österreich bietet sich für ausländische Investoren und Unternehmungen als ausgezeichneter Standort an und wird vor allem auch gerne als Brücke zu den Ländern Mittel- und Osteuropas genützt."

Die Zeit nationalstaatlichen Denkens sei in der Wirtschaft ebenso vorbei wie Zeiten politischer Kategorisierung. Ein großer europäischer Markt und Wettbewerb inmitten der Globalisierung erfordere am Beginn des 21. Jahrhunderts ein anderes Denken als früher. "Entscheidend für den Erfolg von Unternehmen ist ein Denken in besten Strategien und Synergien. Darum sind auch zahlreiche österreichische Firmen wie Waagner-Biro, Heraklith AG, das IMAS-Marktforschungsinstitut, die VOEST-Alpine Transport, OMV, WIGAST - um nur einige zu nennen - mit Produktionsniederlassungen in Bayern vertreten", berichtete Leitl.

Die engen Verflechtungen zwischen Bayern und Österreich bringen gegenseitigen Nutzen und Synergien sollten in noch mehr Bereichen genutzt werden. "Speziell bieten sich hier die Bereiche Forschung-und Technologie, Aus- und Weiterbildung, Lehrlingsausbildung, Fachhochschulen etc an", so Leitl. "Als uns Ministerpräsident Edmund Stoiber vor nicht einmal zwei Wochen in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien besucht hatte, berichtete er über die forcierte Forschungs- und Technologiepolitik Bayerns und wir waren uns beide einig, die österreichisch-bayerische 'Wirtschaftsbrücke über den Inn' weiter auszubauen."

So macht beispielsweise eine vermehrte gemeinsame Antragstellung österreichischer und bayerischer Institutionen und Unternehmungen bei Europa-Förderungsprogrammen (Leonardo, etc) durchaus Sinn. EU-Rahmenprogramme für Forschung und technologische Entwicklung werden ja nur dann zugesprochen, wenn mehrere Partner (Inland/Ausland) sowohl aus Wissenschaft als auch Wirtschaft miteinander kooperieren.

"Im Bereich der Ausbildung wollen wir ein Lehrlingsaustauschprogramm starten, bei dem die Lehrlinge in der dreijährigen Ausbildungszeit ein Jahr von Bayern nach Österreich oder von Österreich nach Bayern wechseln können", berichtete Leitl. Auch der Berufsschulbesuch soll jeweils im anderen Land möglich werden.

Im Rahmen von MUT, der Innovations- und Technologieoffensive der Wirtschaftskammern Österreichs, werden seit eineinhalb Jahren österreichische Betriebe sehr erfolgreich beraten und darauf vorbereitet, wie sie in ihrem Betrieb planvoll Innovationen durchführen können. "Das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) der WKÖ entwickelte neue Beratungsmethoden für den Innovationsprozess. Diese haben bereits Interesse in Nachbarländern geweckt. Ein Erfahrungsaustausch, Abgleich der Methoden und gemeinsame Weiterentwicklung der Ausbildung in diesem so wichtigen Bereich zwischen Bayern und Österreich wäre für beide Seiten ein großer Gewinn", erklärte Präsident Leitl in München. (Ne)

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