"Neues Volksblatt" Kommentar: "Unzeit" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 20. September 2000

LINZ (OTS) - Diese Überraschung war entbehrlich. Der Beschluss
von Studiengebühren kam offensichtlich selbst für die handelnden Politiker so unerwartet, dass sie erst mit ziemlicher Verspätung zum harmloseren Begriff "Universitätsmilliarde" fanden. Wie immer: Den Zugang zur akademischen Bildung von der Finanzkraft des Studierenden abhängig zu machen ist ein bedenklich falsches Signal zur Unzeit. Hier wird Druck auf die Studenten gemacht statt auf die Unis selbst. Auch wenn die Hochschulen auf diesem Weg zu mehr Geld kommen sollten, ist keineswegs sichergestellt, dass die Organisation besser funktioniert und ausreichend Lehrveranstaltungen, Seminarplätze und Prüfungstermine angeboten werden. Wer zahlt und sich einkauft, hat aber mehr Recht auf ein verlässliches Studienangebot. Ebenso unausgegoren ist die angekündigte soziale Abfederung für bedürftige Studenten mit Stipendien oder zinsenlosen Darlehen. Dieses akademische Pferd wurde offensichtlich von hinten aufgezäumt. Erst wenn das Angebot stimmt, kann nachgedacht werden, ob Studenten, die es sich leisten können, auch einen finanziellen Beitrag einbringen sollen. In Zeiten, in denen Österreich in Bildung und Forschung EU-weit nachhinkt, ist jedenfalls jede Begabung zu fördern und nicht zu verhindern.

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