HGPD-Kaske: "Personalmangel im Fremdenverkehr hausgemacht"

Beschäftigte im Hotel- und Gastgewerbe verdienen 31 Prozent unter Durchschnittseinkommen

Wien (ÖGB/HGPD). "Zwar floriert der Tourismus hierzulande, die Durchschnittseinkommen der Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe sind aber trotzdem unter jeder Kritik", empört sich der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) heute, Dienstag, den 19. September, in einem Pressegespräch. Kaske verweist auf die aktuelle Statistik der Durchschnittseinkommen in Österreich, erstellt vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger (siehe beiliegende Tabelle). Laut diesen Zahlen verdienen Beschäftigte im Hotel- und Gastgewerbe im Durchschnitt um 31 Prozent weniger als die ArbeitnehmerInnen anderer Berufsgruppen.++++

"Topleistungen werden hier nicht mit Toplöhnen honoriert", kommentiert Kaske die gravierenden Unterschiede zwischen den österreichischen Durchschnittseinkommen und den Löhnen im Hotel- und Gastgewerbe: "6.500 Schilling verdienen die Kolleginnen und Kollegen im Schnitt weniger. Das ist eine Menge Geld." Der HGPD-Vorsitzende erinnert, dass die Zukunft des österreichischen Tourismus auch von der Qualität der Dienstleistungen abhängig sei: "Wer gut arbeiten soll, soll auch anständig bezahlt werden. Ohne Geld ka Musi, heißt es nicht umsonst. Angesichts dieser Statistik braucht man sich über den einen oder anderen betrieblichen Engpass nicht zu wundern. Der Personalmangel ist häufig selbst gemacht."

Da sei es dann kein Wunder, ergänzt Kaske, wenn die Branche nach Saisonniers ruft. "Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass im vergangenen Sommer 13 Prozent der Saisonniers mangelhaft angemeldet wurden. Wir fordern Bundesminister Bartenstein auf mit aller gebotenen Härte gegen die schwarzen Schafe in der Tourismusbranche vorzugehen. Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer nur mangelhaft oder gar nicht bei der Sozialversicherung anmelden, sollten vom Saisonnierkontingent ausgeschlossen werden."

"Es greift eine neue Sitte um sich", berichtet der HGPD-Vorsitzende:
"Einige Wiener Hotels versuchen immer mehr Abteilungen auszulagern. Da geht es nicht nur um Reinigung, Wäscherei oder Technik, sondern auch um Service und Stubenmädchen." Kaske weist darauf hin, dass es sich bei den "Leiharbeitern" in der Branche um weniger qualifiziertes Personal handle: "Diese Leute sind natürlich billiger. Der Profit steigt, die Personalkosten werden gedrückt. Und der Gast zahlt noch immer den Preis für eine Nacht im 5-Sterne-Hotel. Langjährige Mitarbeiter werden gekündigt. Statt Stammpersonal gibt es Stammaushilfen." Mit einem Kollektivvertrag könnte man dieses Lohndumping in den Griff bekommen, schließt der HGPD-Vorsitzende. (kk)

Einkommen 1999

Männer und Frauen: Männer: Frauen:
21.014,-- 24.514,- 16.451,-Arbeiter:
19.268,- 22.145,- 13.737,-Angestellte:
23.695,- 31.668,- 19.034,-

Hotel-, Gastgewerbe

Männer und Frauen: Männer: Frauen:
14.500,-- 16.257,- 13.568,-Arbeiter:
14.256,- 16.083,- 13.317,-Angestellte:
17.476,- 19.311,- 16.691,-

Quelle: Hauptverband der Sozialversicherungsträger
Brutto Jahreseinkommen: 14 = Durchschnitt = Medianeinkommen,
inkl. Teilzeit, Saisonarbeitskräfte ohne Lehrlinge

ÖGB, 19. September 2000
Nr. 746

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Telefon: (01) 534 44/501 DW
HGPD Presse Katharina Klee
Telefon: 0664-381 93 67

HGPD Vorsitzender Rudolf Kaske

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB