Schlussfolgerung einer europäischen Debatte: "Die älteren Menschen in Europa müssen leiden, wenn Schluckbeschwerden vom medizinischen Personal nicht beachtet werden"

London (ots-PRNewswire) - Redaktionelle Sperrfrist: Freitag, 16. September, 2.01 Uhr

Ältere Menschen in ganz Europa leiden unnötigerweise, weil das medizinische Personal es versäumt, ihre Schluckbeschwerden zur Kenntnis zu nehmen und richtig zu diagnostizieren. Dies war die Schlussfolgerung eines Gremiums europäischer Diätetiker und Sprachtherapeuten am 16. September beim Dysphagie-Kongress 2000 in München. Unbehandelte Dysphagie kann zu Lungenentzündung, Dehydrierung, Fehlernährung und zum Tode führen.

Hans Bogaardt, Sprachpathologe aus Amsterdam, fasste den Befund dahingehend zusammen, dass "das derzeitige Fehlen einer Diagnose und die entsprechende Behandlung der Dysphagie eine nachteilige Auswirkung auf die Gesundheit der daran leidenden Menschen hat" und dass erhebliche Verbesserungen der Behandlung von Schluckproblemen dringend erforderlich seien, um das Leiden zu verringern und Leben zu retten. "Nur 36 % der Patienten bestätigen in einer jüngsten Studie über an Dysphagie leidende Menschen, dass die Schluckbeschwerden diagnostiziert wurden, und nur 32 % bestätigen, dass sie professionell behandelt werden(1). Wir müssen diesem unnötigen Leiden und möglichen Verlust von Leben ein Ende setzen", sagte Bogaardt.

An der Diskussion nahm ein Querschnitt europäischer Gesundheitsexperten und Patienten teil, darunter: Frances Hunt von Age Concern England, Barbro Gustafsson von der schwedischen Selbsthilfegruppe für Dysphagie-Patienten und Maxine Power, Dysphagietherapeutin am Hope Hospital in England.

Frances Hunt wies auf eine aktuelle englische Studie über die Pflege älterer Menschen innerhalb des National Health Service(2) hin, die zu der Schlussfolgerung kam, dass die Gesundheit und das Wohlergehen der Patienten aufgrund eines Mangels an ausgebildeten Fachkräften zur Diagnostizierung und Behandlung von Dysphagie leide. Hunt stellte den beunruhigenden Fall eines Schlaganfallerkrankten vor, dem über mehrere Tage die Nahrungs- und Getränkeverabreichung über den Mund verwehrt wurde, weil niemand zur Verfügung stand, um entsprechende Verabreichungsversuche zu unternehmen. Hunt forderte ein sofortiges Handeln, um dem unnötigen Leiden von Dysphagiepatienten ein Ende zu setzen. "Es ist dringend geboten, an allen Wochentagen und zu jeder Tageszeit mehr Personal zur Verfügung zu stellen, das eine entsprechende Ausbildung für eine ordnungsgemäße Diagnostik erhalten hat", sagte sie.

Barbro Gustafsson aus Schweden, ausgebildete Krankenschwester und selbst Dysphagiepatientin, sagte, dass Patienten an sozialen und mentalen Schwierigkeiten wie auch an physischen Problemen leiden können, wenn sie nicht die geeignete Hilfe bekommen. "Eine aktuelle Studie über Dysphagiepatienten in Europa zeigte, dass etwa 36 % es aufgrund ihrer Dysphagie vermeiden, mit anderen zusammen zu essen, und 41 % an Angst- oder Panikattacken während der Mahlzeiten leiden. Über 55 % halten Essen nicht mehr für eine genüssliche Erfahrung.(3)

Dieses Gefühl gesellschaftlicher Isolation schadet insbesondere älteren Menschen, für die Mahlzeiten oft der soziale Höhepunkt des Tages sind."

Maxine Power sagte, es gebe keine Entschuldigung für ein anhaltendes Leiden der Menschen mit Schluckbeschwerden in Europa, nachdem der Zustand leicht zu diagnostizieren ist. "Wenn ein Dysphagiepatient sofort von einer geschulten Fachkraft bemerkt wird, kann das unnötige Leiden erheblich verringert werden", sagte Maxine Power.

"Jeder Dysphagiepatient ist einzigartig und bedarf einer individuellen Betrachtung. In den meisten Fällen erleichtert eine Kombination aus fachlicher Beratung und speziellen Produkten die Symptome der an Dysphagie leidenden Menschen. Sehr einfache Dinge, wie z.B. in der Beschaffenheit veränderte Nahrungsmittel oder speziell entwickelte Verdickungsprodukte sind jetzt weit verbreitet. Diese können für die Gesundheit und Lebensqualität der an Dysphagie leidenden Menschen einen sehr großen Unterschied ausmachen."

Anmerkungen für die Verleger

Dysphagie: ein Zustand, in dem die Schlucktätigkeit entweder erschwert oder schmerzhaft ist oder das Geschluckte auf seinem Weg zum Magen zurückgehalten zu werden scheint. Dies kann oft zu weiteren gesundheitlichen Komplikationen führen, wie z.B. Lungenentzündung, Dehydrierung, Fehlernährung und zum Tod.

* Dysphagie 2000 findet vom 15. - 16. September 2000 in München statt.

* Es wird geschätzt, dass bis zu 22 % der älteren Menschen (über 50 Jahre) an Dysphagie leiden.(4) 13 % dieser Patienten sind in Kurzzeitpflege und bis zu 60 % leben in Pflegeheimen.(5)

* Age Concern England ist die führende Bewegung (England), die mit älteren Menschen und in deren Namen arbeitet.

Literatur:
1 - Olle E., Hamdy S., Woisard V., Wuttge-Hannig A., Primitovo O.:
Social and mental Burden of Dysphagia: It's impact on diagnosis and treatment 1998

2 - Help the Aged, 1998 (checking)
3 - Olle E., Hamdy S., Woisard V., Wuttge-Hannig A., Primitovo O.:
Social and mental Burden of Dysphagia: It's impact on diagnosis and treatment 1998

4 - Lindgren S., Janzon L.: prevalence of swallowing complaints and clinical findings among 50-70 year old men and women in an urban population. Dysphagia 1991;6:187-192

5 - Groher M. E., Bukatman R.: The prevalence of swallowing disorders in two teaching hospitals. Dysphagia 1986; 1:3-6

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