Kommentar zur Stromwirtschaft Haut den Strombossen endlich auf die Finger von Arne Johannsen

Wien (OTS) - In Gefahr und Not bringt der Mittelweg den Tod. So reimten einst studentenbewegte Demonstranten Ende der sechziger Jahre. Der Slogan eignet sich auch als Handlungsaufforderung für Österreichs Stromwirtschaft. Denn während gute Theaterstücke stets viel zu schnell zu Ende gehen, dauern schlechte grundsätzlich zu lange - und beim Drama um die österreichische Stromlösung ist ein Ende nicht einmal in Sicht, obwohl ein Grossteil des Publikums bereits kopfschüttelnd den Saal verlassen hat. Die Hauptakteure auf der Bühne stört das wenig, sie spielen weiter, als ob das Theater ihnen gehören würde. Deshalb muss der Vorhang jetzt endgültig fallen. Die einzige Lösung: Die Herrscher über die Stromkonzerne werden mit einem "golden Handshake" aus ihren Ämtern getrieben. Das ist zwar ungerecht - weil damit mangelnde Leistung auch noch belohnt wird -und unsozial - weil durchschnittliche Dienstnehmer für die Abfertigungsmillionen ein Leben lang arbeiten müssen -, aber anders ist eine vernünftige Stromstrategie in Österreich nicht umzusetzen. Eine Stromlösung, die Milliarden an Einsparungen und Vorteile für Stromkunden, Aktionäre und Steuerzahler bringen würde, ist bisher nicht an mangelnden Konzepten gescheitert - sondern einzig und allein am Unwillen der Beteiligten, sich zu verständigen. Wie keine andere Branche ist die Stromwirtschaft ein Hort von Eitelkeit und Arroganz, in der selbstherrliche Manager Unternehmen wie ihre privaten Fürstentümer führen. Während in anderen staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen der Aufbruch in die Neuzeit auch mit personellen Schnitten verbunden war - Gerhard Zeiler beim ORF; Helmut Draxler bei den ÖBB, Anton Wais bei der Post - durften in der Energiewirtschaft die Feudalherren auf ihren Sesseln bleiben. Ein fataler Irrtum: Wer jahrzehntelang die Preise so kalkuliert hat, dass er einfach auf die Kosten eine schöne Gewinnspanne in beliebiger Höhe aufschlägt, schafft offensichtlich geistig den Umstieg in eine wettbewerbsgeprägte Dienstleistungsbranche nicht. In Deutschland eröffnen sich gerade gute Marktchancen für erneuerbare Energien, auch im Osten könnten Österreichs Energieversorger gute Ausgangspositionen nützen. Doch die Grubers und Haiders sind voll und ganz damit beschäftigt, sich gegenseitig Fallen zu stellen. Schon dafür gehören sie eingefangen und ins Berufs-Exil geschickt. (Schluss) ajo

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