Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik/Sanktionen "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Die Arroganz des Reingewaschenen

Ausgabe vom 10. Sept. 2000 Klagenfurt (OTS) - Die Arroganz des Reingewaschenen. Einmal ist Schluss mit lustig: Die österreichische Bundesregierung hat die Sanktionen weidlich ausgekostet. Sanktionen, von denen wir auch an ihrem Ende nicht wissen, was sie letztlich gewesen sind. Nur so viel: Sie haben von Tatsächlichem angelenkt. Sie haben den Blick vom Wesentlichen auf Nebensächliches - auf nicht Greifbares - gesteuert. Bilaterale EU-Maßnahmen, die sich ausschließlich auf die Regierung konzentrierten, wurden als das alles bedrohende Österreich-Ungeheuer heraufbeschworen. Und der kleine Alpenländler als ein von den Europa-Mächtigen angefeindetes Übel gezeichnet. Im "Unglück" der Sanktionen gesuhlt, hat sich die schwarz-blaue Koalition lange und ausgiebig. Die Rolle des schuldlosen Opfers wurde bis zur Erschöpfung gespielt. Und erschöpft sollte der Österreicher jetzt an die Zukunft, an den politischen Alltag ohne Sanktionen, ohne Opferrolle, ohne taktisches Spiel, denken. Nach Monaten der Ablenkung fordert die Wirklichkeit ihren Anspruch. Die Wirklichkeit freilich ist rau: In Zeiten Budgetsanierung, Sparkurs und Schröpfpolitik wäre es für die Regierungsverantwortlichen genehmer, sich in diverse Sanktionspolemiken zu flüchten. Doch es ist just die Wirklichkeit, die eine Flucht verbietet: In der Tat wäre es fatal, sich mit der Arroganz des Reingewaschenen über jene zu erheben, die einst die Strafe ausgesprochen haben. Rache, Revanche sind nicht Sache der Politik. Was Österreich braucht, ist ein Seufzer der Erleichterung. Und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen.

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