"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Außenpolitik in der Sackgasse

Ausgabe vom 7.9.2000

"Österreich hat alles getan, um als lästig, querulatorisch und arrogant empfunden zu werden", schreibt Felix Butschek in einem Gastkommentar in der "Presse". Der Wirtschaftsexperte hat nicht ganz Unrecht. Wir sind tatsächlich ein präpotentes Völkchen, das glaubt, in der Außenpolitik die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben und alle Nachbarn in Europa beleidigen zu können.

Wir haben Belgien als kriminell bezeichnet, Jaques Chiracs Intelligenz angezweifelt und bedrohen Länder mit einem EU-Boykott, sollten sie ihre Atompolitik fortsetzen und unsere heile Welt zerstören wollen. Wir tun gerade so, als wäre das tschechische Kernkraftwerk Temelin unsere einzige Sorge. Und vergessen, dass damit von der Budgetkrise und dem Belastungspaket im eigenen Land abgelenkt werden soll. Wir haben einen Kanzler, der dem slowenischen Präsidenten Milan Kucan vorwirft, mit einem Fuß noch im früheren Regime - gemeint ist das kommunistische - zu stecken. Kurzum: Wir machen alles, um Nachbarn zu verärgern. Mag sein, dass wir in einigen Dingen richtig liegen, aber auf Dauer lässt sich auch der Geduldigste nicht demütigen.

Österreichs außenpolitischer Selbstzerstörungstrieb hat mehrere Ursachen. Eine davon ist die "Verhaiderung" der Sprache und die damit ausgelösten EU-Sanktionen. Es ist wieder einmal typisch für uns, von der Täter- in die Opferrolle zu schlüpfen. Darin haben wir ja Übung. Weil wir uns ungerecht behandelt fühlen, reagieren wir nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". Gescheiter wäre es, versöhnlich die Hand auszustrecken.

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