DER STANDARD bringt in seiner Dienstag-Ausgabe einen Kommentar zur Monopolisierung des österreichischen Magazinmarkts: Erschienen:18.08.2000

Wien (OTS) - Das Doppelmonopol droht
Zeitungs- und Magazinmarkt in der Hand einer schrecklich
netten Familie

Harald Fidler =

Wer seit 1988 den größten anzunehmenden Unfall in
der Geschichte der Kartellgerichtsbarkeit und der österreichischen Medienhistorie beklagte, hat sich ein wenig getäuscht. Es geht noch deftiger.

1987 kaufte sich die Essener WAZ-Gruppe, in ihrer Heimat Deutschland längst an die Grenzen der vom dortigen Kartellrecht noch geduldeten Expansion gestoßen, mit zunächst 45 Prozent bei Österreichs mit Abstand größter Tageszeitung ein. Die Kronen Zeitung wird von nahezu jedem zweiten Österreicher ab 14 Jahren täglich gelesen. Im Jahr darauf angelten sich die WAZ-Männer dazu fast 50 Prozent an der damals zweitgrößten Zeitung des Landes. Zwar ist der Kurier heute nach der Kleinen Zeitung nur drittgrößtes Blatt des Landes, kommt aber auch noch auf zwölf Prozent Reichweite.

Ein strengeres Kartellrecht, das eine solche Elefantenhochzeit zumindest ein bisschen eher verhindern könnte, wird vorsichtshalber erst 1993 verabschiedet. Ob es taugt, wird sich nun weisen.

Dieser marktbeherrschende Printkonzern, der all seine wirtschaftlichen Agenden wie Druck, Anzeigengeschäft und Vertrieb in einem Koloss namens Mediaprint zusammengelegt hat, schließt sich einer neuen Familie an.

Eine schrecklich nette Familie: Die bisher zur Kurier- Gruppe gehörenden Magazine, darunter profil, schiebt man der Verlagsgruppe News hinüber und bekommt dafür 30 Prozent der Anteile an dem neuen Riesen. Passend zur KroKuWAZ, die den Markt der Tageszeitungen vor allem im Osten Österreichs dominiert, kommt nun eine Magazingruppe, die alle wichtigen Magazine des Landes unter einem Dach vereint.

Weiterhin sogar räumlich getrennt blieben die Redaktionen etwa von Format und profil, betont Herausgeber Wolfgang Fellner. Aber naturgemäß sind sie, wie in jedem Verlag, abhängig von jenem Redaktionsbudget, das ihnen die gemeinsame Mutter zuteilt.

Die Redaktionen von profil und trend erinnerten gleich Montag in einer Resolution daran, dass "unsere journalistische Stärke in der

Unabhängigkeit von Parteien und Interessengruppierungen besteht". Umgehend verwies man auch auf das Redaktionsstatut, das Mitspracherechte bei der Wahl von Chefredakteuren garantiert.

Reduzieren sich die auf 160 Millionen Schilling jährlich geschätzten Verluste von Format und profil nicht deutlich, bekommt auch das weitestgehende Redaktionsstatut ein Ablaufdatum: Über drei Jahre garantiert der Deal den Bestand beider Titel.

Bei den Regisseuren des Deals, den deutschen Mitgesellschaftern Gruner+Jahr und der WAZ, zählt bei allen Beteuerungen publizistischer Unabhängigkeit und Bedeutung vor allem eines: die Umsatzrendite. Es war der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, der bei Bertelsmann, dem Mutterkonzern von Gruner+Jahr, "auf jedem Baum einen Controller sitzen" sah.

Das freilich ist schon das einzige Problem, das deutsche Eigentümer aufwerfen, wenn sie den österreichischen Medienmarkt dominieren. Die Konzentration etwa des Zeitungsmarktes wäre um keinen Deut weniger schlimm, gehörten Krone und Kurier nicht der WAZ, sondern österreichischen Shareholdern.

Ob diese dramatische Konzentration nun auch auf den Magazinmarkt übergreift, liegt in den Händen des Kartellgerichts. Und dem Mut des sozialpartnerschaftlichen Ausschusses, der ihm bei einer derartigen Entscheidung zur Hand geht. Schon in der Vorwoche hat der renommierte Kartellrechtler Walter Barfuß im Standard darauf hingewiesen, dass die Zustimmung zu solchen Fusionen weniger eine rechtliche denn eine politische Frage ist.

Orientiert man sich an der Medienpolitik der Regierung, ist der Deal schon unter Dach und Fach. Aus beiden Regierungsparteien ist bisher zu hören, dass man auch nichts dabei fände, wenn die ohnehin schon den Printmarkt beherrschende Krone auch eine Lizenz für bundesweites Privatfernsehen bekäme.

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