WirtschaftsBlatt über die Medien Sensationen wie gedruckt von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Österreichs Zeitungen und Zeitschriften geraten voll in den Sog globaler Strategien und ökonomischer Zwänge - und manche ersticken. Vor kurzem ist eine grosse, wenn auch nicht angesehene Tageszeitung namens "täglich Alles" einfach verschwunden, ohne dass man ein Wehgeschrei einer Gemeinde trauernder Leser gehört hätte. Der Vorgang ist fast gespenstisch. Wie verarbeitet eine halbe Million Leser den von Herausgeber Kurt Falk gezüchteten Hass auf die Oberen aller Art, wenn es die dazu gehörige bunte Postille nicht mehr gibt? Am Montag sind die Würfel für die Magazine Format und profil gefallen. Sie haben in ihrem mörderischen Kampf gegeneinander etliche hunderte Millionen Schilling in den Ofen gesteckt und standen, so das Eingeständnis Wolfgang Fellners, kurz vor dem Zusperren. Jetzt wurden sie zur ökonomischen Ausnüchterung in eine gemeinsamen Zelle, Holding genannt, gesteckt. Dort hat der deutsche Verlagsmulti Gruner+Jahr das Sagen. Österreichs Medienlandschaft ist längst zum klassischen Exerzierfeld deutscher Konzerne geworden: Gruner+Jahr, Westdeutsche Allgemeine (WAZ) und Springer bauen Positionen auf, vernetzen sie teilweise sogar. Heute kann niemand voraus sagen, wieviele Tageszeitungen es in einem halben Jahr geben wird - sicher nicht mehr als die jetzigen 16, vielleicht aber weniger. Bereinigt wird allerorten, und auch die Koalitionsregierung, die ihr politisches Medienpaket spätestens zum Krampus am 5. Dezember auspacken will, spielt ihren Part. Beim Europäischen Forum Alpbach diskutierten Ende vergangener Woche Medienleute aller Ebenen über die Zukunft ihrer Branche. Viel Nebel blieb über der Konferenz hängen, wesentliche Fragen blieben unbeantwortet, ernsthafte Sorgen machten sich breit. Manches von den derzeitigen Vorgängen lässt sich aber erklären. Die grossen Medienindustrien, die Megakonzerne der elektronischen Vermarkter, suchen gierig etwas, was gedruckte Zeitungen seit Anbeginn selbstverständlich hatten und auch pflegten: Inhalte. Die verkehrte Welt der E-Information kann alles mit Lichtgeschwindigkeit multimedial verbreiten, weiss aber nicht so recht, was. Deshalb sind Markennamen und Know-how der guten alten Zeitungen so begehrt. Sie haben eigentlich mehr Zukunft, als ihnen die Elektroniker geben. (Schluss)

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