Pirklhuber: Offener Brief an Landwirtschaftsminister Molterer

Betreffend: Umstrukturierung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen

Wien (OTS) Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, richtet heute einen Offenen Brief an Landwirtschaftsminister Molterer, betreffend die Umstrukturierung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen

Sehr geehrter Herr Bundesminister!

Nach Medienberichten soll die Bundesanstalt für Bergbauernfragen in der bisherigen Form nicht mehr weiterbestehen und mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft an einem anderen Standort zusammengelegt werden. Der damit verbundenen Umstrukturierung des Institutes sehen wir mit großer Sorge entgegen.

Es ist zu befürchten, dass die Bundesanstalt für Bergbauernfragen im Zuge der geplanten "Zusammenlegungen" ihre Eigenständigkeit verlieren wird. Dies ist deshalb von politscher Brisanz, weil sich die Forschungsberichte die Bundesanstalt mit speziellen Themen befassen, die von großem öffentlichen Interesse sind. Angeführt seien hier Studien zu den Bereichen Umwelt, Frauen und Armut im ländlichen Raum, Strategien im Umgang mit der Gentechnik sowie im weitesten Sinne auch KonsumentInnenschutz. Für uns als Grüne ist auch der innovative Anteil in den erwähnten Forschungsbereichen besonders bedeutsam. Beispielsweise hat sich die Bundesanstalt für Bergbauernfragen als eine der ersten Forschungseinrichtungen in Österreich mit dem Biologischen Landbau als ernst zu nehmende Alternative in der Agrar-und Umweltpolitik auseinandergesetzt.

Bei einer Umorganisation und einem Verlust der Eigenständigkeit dieses Institutes entsteht für uns zwangsläufig der Eindruck, dass hier ein Anschlag auf eine freie, kritische Wissenschaft und Forschung stattfindet. Gerade der Agrarbereich, der weitgehend von öffentlichen Geldern abhängig und einem hohen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt ist, benötigt öffentliche Forschung und wissenschaftliche Unabhängigkeit. Wird diesem Bedarf seitens der öffentlichen Hand nicht mehr nachgekommen und Wissenschaft und Forschung allein privatwirtschaftlichen und partiellen politischen Interessen unterworfen, entsteht ein Vertrauens- und Argumentationsdefizit. Am offensichtlichsten werden diese angesprochenen Mängel in der Umwelt-und speziell in der Gentechnologiepolitik.

Auch aus anderen Gründen halten wir den Bestand und die Unabhängigkeit dieser Bundesanstalt für sehr wichtig: Österreich hat innerhalb der EU mit 70% den höchsten Anteil an Berggebieten. 51% (das sind rd. 89.000) der Betriebe und 57% der landwirtschaftlich genutzten Fläche liegen im Berggebiet. Insofern ist eine Einsparung gerade an diesem Insititut besonders bedauerlich, weil nicht mehr in der bisherigen wissenschaftlich fundierten Form gearbeitet werden könnte.

Ebenso ist bekannt, dass die Bundesanstalt international einen ausgezeichneten Ruf erworben hat. Die Forschungsinstitute in anderen Ländern würden durch die geplanten Maßnahmen einen kompetenten, international anerkannten Kooperationspartner verlieren. Auch dies wäre dem Image Österreichs nicht zuträglich.

Als Landwirtschaftssprecher der Grünen ersuche ich Sie im Namen der Grünen Abgeordneten, die Durchführung kritischer Forschungsarbeiten durch die Bundesanstalt für Bergbauernfragen im Bereich der Bewertung der Agrar-, Regional- und Umweltpolitiken weiterhin im derzeitigen Rahmen zu ermöglichen und zu fördern.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Pirklhuber

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