OeNB-Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im 1.Halbjahr 2000

Wien (OTS) - - Stärkstes Bilanzsummenwachstum der in Österreich tätigen Kreditinstitute seit etwa zehn Jahren. Gut die Hälfte davon resultiert aus dem Auslandsgeschäft.

- Kreditnachfrage gewinnt deutlich an Dynamik; Kredite in Euro wachsen wieder stärker als jene in Fremdwährung.

- Der Stand der Spareinlagen sinkt weiterhin.

Das erste Halbjahr 2000 war durch ein im Vergleich zum
Vorjahr betragsmäßig beinahe doppelt so starkes Bilanzsummenwachstum der in Österreich tätigen Kreditinstitute gekennzeichnet: Der Zuwachs von 7,1% war der höchste Wert für
das jeweils erste Halbjahr seit etwa zehn Jahren. Gut die
Hälfte des Bilanzsummenanstiegs resultierte aus dem Auslandsgeschäft. Im Inlandsgeschäft waren aktivseitig vor
allem der Zwischenbankverkehr und eine merkliche Erholung des Kreditgeschäftes - nach wie vor hauptsächlich in Fremdwährungen
- für das Bilanzsummenwachstum verantwortlich.

Die Nachfrage nach Direktkrediten gewann im ersten Halbjahr
2000 deutlich an Dynamik und konnte um 2,2% gesteigert werden.
Noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Zuwachs nur
bei 0,9%. Daß sich die angelasteten Zinsen nicht im selben Verhältnis erhöhten, läßt sich u.a. durch den Trend in Richtung niedriger verzinste Fremdwährungskredite erklären.

In den letzten beiden Monaten erhöhten sich die Direkt-
kredite in Euro betragsmäßig erstmals wieder etwas stärker als jene in Fremdwährungen. So stand im Juni einem Zuwachs der Eurokredite von 1,58 Mrd EUR eine Steigerung der Fremdwährungs-kredite von 0,45 Mrd EUR gegenüber. Innerhalb der Fremd-währungskredite war das Wachstum beinahe zur Gänze auf Ausleihungen im Japanischen Yen zurückzuführen, wobei
allerdings auch der steigende Wechselkurs mitverantwortlich für diese Entwicklung war. Die Ausweitung der Schweizer-Franken-
Kredite seit Beginn des Jahres umfaßte nur mehr 1,3 Mrd. EUR
nach noch 4,4 Mrd EUR im Vergleichszeitraum des
Vorjahres.

Der öffentliche Sektor nahm - im Gegensatz zum 1.Halbjahr
des Vorjahres - heuer wieder vermehrt Kredite in Anspruch.
Während aber im Bereich der langfristigen Ausleihungen eine geringfügige Abnahme von 1% erzielt werden konnte, stiegen die kurzfristigen Forderungen der Kreditinstitute an den Sektor
Staat mit 46,5% relativ deutlich.

Die Kreditnachfrage der Unternehmen gewann vor allem im
2. Quartal 2000 angesichts der anziehenden Nachfrage sowie
einer Verbesserung der internationalen Rahmenbedingungen wieder
an Schwung und stieg allein im Juni 2000 um 1,2%, wogegen im
Juni des Vorjahres ein Rückgang zu beobachten gewesen war.

Relativ kräftig gestaltete sich auch die Kreditnachfrage der privaten Haushalte, welche seit Jahresbeginn um 5,3% (Vorjahr:
3,0%) expandierte.

Die Einlagen inländischer Nichtbanken erhöhten sich seit
Beginn des Jahres um 1,6% und damit prozentmäßig geringfügig stärker als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Der Zuwachs
war betragsmäßig in etwa zu gleichen Teilen durch die Sicht-
und Termineinlagen bedingt, die um 8,0% bzw. 14,3% anstiegen.
Die Spareinlagen verringerten sich hingegen um 1,9%, wogegen im Vorjahr noch ein minimaler Zuwachs gemeldet worden war.

Das Volumen eigener Inlandsemissionen entwickelte sich im
ersten Halbjahr 2000 mit einem Zuwachs von 6,2% prozentmäßig
zwar deutlich dynamischer als die Einlagen, jedoch bei weitem
nicht mehr so günstig wie noch im Vorjahr (+10,2%). Der Anstieg wurde zu rund 70% von den Emissionen in Euro getragen.

Auch im heurigen Jahr wurde die Internationalisierung des Geschäftes weiter massiv vorangetrieben: Erstmals seit Beginn
der Datenreihe erreichte der Anteil der Auslandsverbindlich-
keiten an der Bilanzsumme knapp die 30%-Marke. Der Anteil der Auslandsforderungen an der Bilanzsumme lag bei 27%.

Die besonderen außerbilanziellen Finanzgeschäfte stiegen zum Berichtstermin Juni 2000 auf einen neuen Rekordwert von
840,5 Mrd EUR, was rund 150% der Gesamtbilanzsumme entspricht. Traditionell bestanden sie größtenteils aus Zinssatzverträgen, welche seit Jahresbeginn um 34,1% wuchsen.

Der Stand der Eigenmittel konnte seit Jänner um 5,5%
gesteigert werden. Da aber gleichzeitig die Bemessungsgrundlage stärker zunahm, reduzierte sich der Eigenmittelstand in Prozent
der Bemessungsgrundlage auf 13,75%. Die Kernkapitalquote (die Kernkapitalquote errechnet sich aus dem Kernkapital, dividiert
durch die risikogewichteten Aktiva) sank seit Beginn des Jahres kontinuierlich von 10,5% auf 10,2%, nachdem sie im März 1999 bereits 11% betragen hatte. Der Anteil der risikogewichteten
Aktiva in Prozent der Bilanzsumme lag zum Berichtstermin bei
43,1% nach 44,0% im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich

STAND KUMULATIVE VERÄNDERUNG 2)
2000/06 2000 1999
Mrd EUR Mrd EUR in % Mrd EUR in %
Einlagen v.inl.
Nichtbanken ......... 174,55 +2,74 +1,60 +2,14 +1,30 Eig.inl.Emissionen an
Nichtbanken(EUR u. FW) 49,94 +2,93 +6,20 +4,26 +10,20 Geldkapitalbildung v.
inl.Nichtbk.(EUR u.FW)224,48 +5,67 +2,60 +6,41 +3,10 Direktkredite an
inl.Nichtbanken ..... 215,52 +4,72 +2,20 +1,74 +0,90 .EUR-Direktkredite . 176,95 -0,79 -0,40
.Fremdwährungs-
Direktkredite ..... 38,57 +5,52 +16,70
Titrierte Kredite an
inl.Nichtbk.(EUR u.FW) 25,73 +0,55 +2,20 -0,56 -2,10 Gesamtkredite an inl.
Nichtbanken(EUR u.FW) 241,26 +5,28 +2,20 +1,17 +0,50 Auslandsaktiva ...... 152,60 +21,22 +16,20 +14,62 +13,20 Auslandspassiva ..... 167,19 +19,96 +13,60 +11,52 +9,10 Bilanzsumme ......... 562,06 +37,42 +7,10 +21,59 +4,50
Nicht bilanzwirksame
Geschäfte ........... 889,04 +186,85 +26,61 +132,63 +27,33 .hievon besondere
außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte ... 840,47 +184,03 +28,03 +131,89 +30,38 Eigenmittel absolut . 37,10 +1,94 +5,50 +1,42 +4,30 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 1) 13,75

1) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von
Eigenmitteln verpflichtet sind.
2) Aufgrund der Umstellung auf Euro kann im Bereich der Vorjahresvergleichswerte keine Untergliederung der
Positionen in Euro und Fremdwährung dargestellt werden.

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