"Die Presse" Kommentar: "Gipfelspannung" (von Andreas Schwarz)

Ausgabe vom 2.9.2000

Wien (OTS) Es wird viel gegipfelt dieser Tage in der weiten Welt. Nein, nicht
vom Reformdialog in Wien ist die Rede; der paßt mit wenigstens ein paar Ergebnissen nicht ganz in die Reihe.
Gipfel 1: In New York beendeten die Religionsführer dieser Welt ihre Friedenstagung mit dem Beschluß, ein "Beratergremium für den Weltfrieden" zu gründen, das der UNO bei der Lösung von Konflikten helfen soll. Wie man Konflikte löst, hat die UNO als Gastgeber gleich demonstriert, indem sie auf Druck Chinas den Dalai Lama nicht zuließ (eine Delegation der atheistischen chinesischen Führung schon).
Gipfel 2: Auch beim Treffen der Parlamentarier dieser Welt in New York war eine Delegation Chinas anwesend (mit dem für das Tiananmen-Massaker verantwortlichen Ex-Premier Li Peng) - man schaue bei den Gästen nur, ob das Parlament Gesetze erlasse, sagte der Veranstalter, nicht, ob es gut oder schlecht sei. Dafür (aber nicht deswegen) kamen die Amerikaner nicht. Und weil sie das schlicht damit begründeten, kein Interesse an dem Treffen der Interparlamentarischen Union (IPU) zu haben, waren die reisefreudigen Parlaments-Vertreter aus aller Welt rechtschaffen "empört".
Was den USA nicht alles entgangen ist: Etwa die Absicht der IPU, die "Beziehungen zur UNO zu stärken und den Abgeordneten mehr Gewicht auf dem internationalen Parkett zu verschaffen". Oder die Anregung Nationalratspräsident Fischers, die parlamentarische Dimension bei der Behandlung globaler Fragen zu entwickeln und in den Parlamenten Möglichkeiten zu deren Behandlung zu schaffen. Oder den Bericht seines Bundesrats-Kollegen Payerl über das Burgenland, das eine Antwort auf die zentralen Fragen der Globalisierung schon gefunden habe - statt nebeneinander zu leben sei eine Kultur der Gemeinsamkeiten gefunden worden.
Gipfel 3: Der findet kommende Woche in New York statt, heißt UN-Millenniums-Gipfel und gilt mit 150 Staats- und Regierungschefs als größtes diplomatisches Ringelreia seit jeher. Thema: die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Welt in selbigem kann das Ergebnis kaum erwarten.
Raffiniert auch, die Spannung mit drei Gipfeln so teuflisch zu steigern.

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