"Grasser wird sich die Finger verbrennen" -

Ausgabe vom 1.8.2000

Wien (OTS) - Finanzminister Karl-Heinz Grasser sitzt in einer Zwickmühle. Egal, wie sein Sanierungskonzept für den österreichischen Haushalt aussieht, er wird sich damit die Finger verbrennen. Entweder er verzichtet auf Steuererhöhungen und kann damit nicht das Versprechen gegenüber den EU-Partnern halten, bis 2002 ein ausgeglichenes Budget vorzulegen. Oder er dreht an der Steuerschraube, erreicht sein Ziel, vergrämt aber gleichzeitig sämtliche potenziellen und ansässigen internationalen Investoren. In der globalisierten Wirtschaft erregen Meldungen über Veränderungen bei der Besteuerung Aufsehen rund um den Globus. Die Steuerexperten in den Zentralen der internationalen Multis sind nämlich mindestens genau so kühle Kalkulierer wie Grassers Beamte. Als etwa Deutschlands Finanzminister Hans Eichel im Frühjahr dieses Jahres die Abschaffung der Besteuerung von Erlösen aus dem Verkauf von Beteiligungen ab 2001 angekündigt hat, haben zuerst die Aktienmärkte in Überssee reagiert. Deutschland wird damit zu einem der attraktivsten Standorte in der Europäischen Union und hat gleichzeitig einen Steuersenkungswettlauf in Gang gesetzt. Als erstes werden Frankreich und Italien nachziehen. Paris und Rom haben bereits Steuersenkungen angekündigt. Auch Belgiens Finanzminister feilt an einer Reduktion der Abgaben. Einzig Wien schert aus und droht damit den ohnehin sinkenden Standortvorteil gegenüber anderen EU-Partnern komplett zu verspielen. Einziger Ausweg für Grasser ist eine weitere Senkung der Unternehmensteuern. Natürlich brächte das im ersten Jahr Einnahmenausfälle. Aber ein zwei Jahre nach dem Inkrafttreten einer Steuersenkung sind die Ausfälle kompensiert, weil internationale Anleger auf den Geschmack kommen werden. Politiker sollten die Angst wegstecken, dass Steuersenkungen automatisch mit Einnahmenausfällen über einen längeren Zeitraum verbunden sind, raten Steuerexperten. Bestes Beispiel dafür sind die Effekte der Steuerreformen in den 80-er Jahren. Damals wurde in Österreich die massive Reduktion der Unternehmensteuern eingeläutet. Die nominelle Gewinnbelastung ist seither von 55 auf 34 Prozent gesunken. Erst dadurch konnte Österreich dicke Fische wie Chrysler, Philips und Magna an Land ziehen. Die sorgten für mehr Jobs und damit steigende Einnahmen für den Fiskus.

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