1. September: Stichtag zur Ausbeutung von Jugendlichen

"Lehrlingsgesetz" verschlechtert die Qualität der österreichischen Jugendausbildung

Wien (ÖGJ/ÖGB). "Jugendliche sollen jetzt offensichtlich total ausgebeutet werden. Das Ausbildungsnetz wird mit den ab 1. September in Kraft tretenden Maßnahmen systematisch zerstört", erklärt Albert Maringer, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ).++++

Im Detail spricht Maringer folgende Maßnahmen an:
-Vorlehre für alle. Früher konnten lernschwache Jugendliche, also Sonderschulabgänger oder junge Menschen ohne Pflichtschulabschluss, durch die Vorlehre mit Spezialbetreuung das erste Lehrjahr binnen zwei Jahren absolvieren. Nun sollen die Lehrbetriebe selbst entscheiden dürfen, ob sie einen Jugendlichen als Lehrling oder preiswerten Vorlehrling einstellen. Maringer: "Die Vorlehre kann auf bis zu drei Jahre hinausgezögert werden, davon werden aber nur sechs Monate auf die nachfolgende Lehre angerechnet."
-Eine Probezeit von sechs Monaten für Vorlehrlinge.
-Auch bei Lehrlingen wird die Probezeit von derzeit geltenden zwei Monaten auf drei Monate ausgeweitet. Die Behaltefrist nach dem Lehrabschluss wird von vier auf drei Monate gekürzt.
-Nachtarbeit für Jugendliche: Im Gastgewerbe müssen Jugendliche über 16 Jahre nun bis 23 Uhr einsatzbereit sein.

Verschärft wird die Situation für die Jugendlichen zusätzlich, da auf 15.000 Lehrstellensuchende derzeit nur 8.000 offene Lehrstellen kommen. "Was kann denn ein Jugendlicher nach 22 Uhr noch lernen", stellt Maringer berechtigterweise die Frage nach den Vorteilen für die Betroffenen. Und Maringer weiter: "Man sollte sich in Zukunft sehr genau überlegen, ob man die Tochter oder den Sohn wirklich eine Vorlehrstelle annehmen lässt. Denn die Jugendlichen sind der Willkür des Lehrherrn völlig ausgeliefert. Außerdem haben Vorlehrlinge keinen anerkannten Lehrabschluss." Maringer zusammenfassend: "Mit diesen sogenannten Reformen hat die österreichische Lehre ihre Zukunft verloren." (aw)

ÖGB, 31. August 2000
Nr. 697

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