Svihalek fordert vom Bund Regelung gegen Einweg-Verpackungen

Wiener Mistvermeidungs-Kampagne 2000, Kinderbuch und Mistfest

Wien, (OTS) Die "Wiener Mistvermeidungs-Kampagne 2000", interessante neue Broschüren mit konkreten Hilfen und Anregungen zur Mistvermeidung, ein Kinderbuch mit dem Mistmonster und das am kommenden Wochenende stattfindende "Mistfest 2000" präsentierte Wiens Umweltstadtrat Fritz Svihalek am Donnerstag gemeinsam mit
der MA 48 (Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) in einer Pressekonferenz. Er nahm dies zum Anlass, zu den aktuellen Entwicklungen bei den Einweg-Verpackungen Stellung zu beziehen und bezeichnete diese als "ökologischen Wahnsinn".

"Die Rücklauf- und Verwertungsziele der bundesweit geltenden Verpackungsverordnung werden bis zum Jahresende nicht erreicht werden", stellte Stadtrat Svihalek fest. Ohne Verordnung von Verpackungsnormen und ohne Pfandregelung werde dieses Problem
nicht zu lösen sein. Dies zeige die derzeitige Auseinandersetzung am Biermarkt wegen der Einführung von Einweg-PET-Flaschen bei zwei Vorarlberger Brauereien. "Auch der Handel hat natürlich größtes Interesse an Einweggebinden, da er dadurch Kosten bei der Logistik vermeidet, und die anfallenden Entsorgungskosten werden somit voll auf die Konsumenten umgewälzt.", kritisierte Stadtrat Svihalek. Ökologisch gesehen sind die Einweg-Verpackungen generell im Hinblick auf die kommenden Generationen und den
Ressourcenverbrauch an Energie und Grundstoffen ein Wahnsinn. Er forderte den Bund daher noch einmal auf, hier tätig zu werden und zwar nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch EU-weit auf eine europaweite Regelung zu drängen. Wien könne hier nicht mehr länger zusehen, denn die Müllmengen steigen jährlich in einem Ausmaß, dass die Kapazität der Deponie am Rautenweg in maximal zehn Jahren erreicht sein werde. Svihalek lässt daher derzeit prüfen, ob sich ein Alleingang Wiens rechnet und wie dieser konkret aussehen kann.

Die Kampagne 2000

Der Kampf zwischen dem Mistmonster und dem Mistmann geht weiter. Das Mistmonster bekam wieder zuviel Futter und nahm zu. Es ist daher notwendig, dem Mistmonster erneut zu Leibe zu rücken und es mit Hilfe der Wienerinnen und Wiener auf Diät zu setzen. "Das Thema ´Mistvermeidung´ begreiflich zu machen ist sicher eines der schwierigsten Unterfangen im Umweltbereich," stellte Dipl.-Ing. Wolfgang Steinbauer, Leiter der MA 48, zu der Mistvermeidungs-Kampagne seiner Abteilung fest. "Denn hier geht es um Änderung des Konsumverhaltens in einer Gesellschaft, in der die ganze Werbung darauf ausgerichtet ist, die Menschen zu noch mehr und noch schnellerem Konsum - und das möglichst von Wegwerf-Artikeln - zu animieren. Dass weniger und bewussterer Konsum nichts mit Verlust von Lebensqualität zu tun hat, sondern ganz im Gegenteil oft sogar eine Steigerung bringt, ist bei dieser massiven Einflussnahme nur langsam vermittelbar. Die Hilfe auch der Medien ist dazu unbedingt notwendig." Die "48er" bietet durch kostenlose Beratung und schriftliches Material jede Menge Information und Hilfe.

Die "Mistvermeidungs-Kampagne 2000" ist wieder sehr vielfältig: Radio-Spots mit einer Blues-"Erkennungsmelodie", Acht-Bogen-Plakate auf der Straße und in Allgemein- und Berufsbildenden Höheren Schulen, City-Light-Plakate, Infoscreens, Kleinplakate in Straßenbahnen und neue Plakate auf den Fahrzeugen der Wiener Müllabfuhr und der Straßenreinigung werden das Thema den Wienerinnen und Wienern nahe bringen.
Die einzelnen Werbemittel werden zu folgenden Zeitpunkten und mit folgenden Inhalten eingesetzt:

o Das Mistmonster bekam für die "Wiener Mistvermeidungs-Kampagne

2000" den Blues. Es wurde eine Blues-Melodie kreiert, mit der
sich das Mistmonster in fünf verschiedenen Radio-Spots über mistvermeidende Handlungen (z.B. ausleihen bzw. reparieren
anstatt kaufen, Mehrweg- statt Einwegflaschen) beklagt. Nachdem die Spots bereits von Ende Juli bis Ende August gesendet wurden, wird der Mist-Blues von Anfang November bis Anfang Dezember ein weiteres Mal über Radio Energy, 88,6 - Der Musiksender und ORF - Radio Wien zu hören sein.
o Ab sofort bis Ende September hängen auf Wiens Plakatwänden Acht-

Bogen-Plakate, mit der die Wienerinnen und Wiener vom
Mistmonster auf das Grundproblem des zu großen Mistanfalls aufmerksam gemacht werden.
o Auf den Infoscreens in Wiener U-Bahn-Stationen wurde bereits

gleichzeitig mit den Radiospots im Juli/August das wachsende Mistmonster gezeigt. Von Anfang Dezember bis Weihnachten gibt es die Infoscreen-Werbung wieder. In der jeweils letzten Woche
wurde bzw. wird das Thema Mehrweg- anstatt Einwegflasche dargestellt.
o Kleinplakate in den Straßenbahnen, mit denen auf die über das

Misttelefon zu bestellenden Informationsbroschüren aufmerksam gemacht wird, gibt es im September und im Dezember.
o Dieselben Acht-Bogen-Plakate wie auf den Straßen wird es im

Oktober auch in Wiens Allgemein- und Berufsbildenden
Höheren Schulen geben.
o Vor Weihnachten wird es zum Thema Verpackung ebenfalls Acht-

Bogen-Plakate in Schulen und City-Light-Plakate geben.
o Dazu kommen neue Plakate auf den Wiener Müllfahrzeugen,

Kleinplakate mit Vermeidungstipps auf den Fahrzeugen der Straßenreinigung und die Abfallberatung der "48er" wird bei vielen Veranstaltungen im Herbst zu diesem Thema präsent sein.

Eine Kooperation gibt es wieder mit Römerquelle, einzigem Anbieter von Kunststoffmehrwegflaschen im 1,5-Liter-Mineralwassersektor. Die Mehrwegflasche wurde durch eigene
Forschung entwickelt und kann bis zu dreißig Mal wiederbefüllt werden. Die derzeit laufende Werbekampagne von Römerquelle verstärkt sich mit Aktionen der Abfallberatung, z.B. Kleinausstellungen und einem Kostprobestand beim Mistfest. Tupperware Österreich, die mit ihren Produkten durch Vermeiden von Einwegverpackung, lange Haltbarkeit und Recycling zur
Mistvermeidung beitragen, unterstützte im heurigen Frühjahr den von der "48er" durchgeführten Wettbewerb der Wiener Volksschulen zum "Mistmeister 2000" mit Preisen wie Jausensets, Trinkbecher
etc. Der Schulwettbewerb war ein großer Erfolg, mehr als 4.000 SchülerInnen spielten mit.

Beide Firmen stellten auch Sachpreise für einen LeserInnen-Quiz zum Thema Mistvermeiden in der Zeitschrift "Unser Wien" im
Juni zur Verfügung.

Das erste Mistvermeidungs-Kinderbuch

Neu ist heuer auch, dass es eine Zusammenarbeit zwischen der "48er" und der Verlagsbuchhandlung Julius Breitschopf gab, die ein Kinderbuch rund um das Mistmonster herausgebracht hat. Unter dem Titel "Ein Monster geht um" hat eine Familie so allerlei Probleme mit dem grünen Kerl. Wie diese zu lösen sind, erfahren die Kinder auf humorvolle und spannende Weise durch die von Christine Rettl erzählte Geschichte. Die Illustrationen machte der zeichnerische "Vater" des Mistmonsters, Jeff Stenzenberger, der diesem Symbolträger auch für die Kampagne der "48er" seine Gestalt gegeben hat. Das erste Mistvermeidungs-Kinderbuch ist selbstverständlich auf Recyclingpapier gedruckt, die Einbandpappe besteht aus Altstoffen und der Überzug enthält keine PVC-haltigen Materialien. Das Buch ist zum Verkaufspreis von S 49,90.- ab September in allen LIBRO-Filialen und im Wiener Buchhandel erhältlich.

Neue Info-Broschüren

Die "48er" hat ihr Angebot an kostenlosen Informationsbroschüren auch heuer weiter ausgebaut: Vom "Wiener Verleihführer" gibt es nun bereits einen Teil 2 mit den Branchen Baumaschinen und Baugeräte, Bücher und andere Medien, Büro und Kommunikation, Foto und Video, Musikinstrumente, Partyzubehör
sowie Transport und Verkehr. Eine weitere zusätzliche Möglichkeit der Mistvermeidung bietet der "Wiener Gebrauchtwarenführer" mit Verkaufsbetrieben der Produktgruppen Bekleidung, Bürogeräte, CD´s und Schallplatten, Elektrogeräte, Möbel, Musikinstrumente, Spielzeug, Sportartikel, ´Was Kinder so brauchen´ und Flohmärkte. Außerdem beinhaltet diese Broschüre einen Sonderteil mit den Adressen von Betrieben mit einem Nachfüllservice in mitgebrachte Behälter. Für die Zielgruppe der SchülerInnen und interessierte Eltern und LehrerInnen gibt es die Broschüre "Abfallarme Schultasche". Der "Kompostführer" richtet sich an alle WienerInnen mit eigenem Garten, aber auch an ambitionierte Kindergärten, Schulen, Kleingartensiedlungen und BewohnerInnen von Wohnhausanlagen. Wer sich ganz allgemein über das gesamte Thema Abfall von A - Z informieren möchte, für den gibt es nun die Broschüre "Alles Mist".

An bereits erschienenen Broschüren gibt es die "48 Tipps zur Mistvermeidung", den "Wiener Reparaturführer Teil 1" mit den Branchen Möbel, Elektrohaushaltsgeräte, Fahrräder, Schuhe, Lederwaren und Uhren, den "Wiener Reparaturführer Teil 2": mit den Branchen Sportgeräte, Unterhaltungselektronik, Fotographie, Heimwerkergeräte, Gartengeräte, Computer und Teppiche und den "Wiener Verleihführer Teil 1" mit den Branchen Heimwerkergeräte, Gartengeräte, Sport und Kostümverleih.

Alle Broschüren sind telefonisch zu bestellen beim "Misttelefon" unter der Nummer 546 48.

Das Mistfest

Ein Höhepunkt der diesjährigen Kampagne ist das "Mistfest 2000", das an diesem Wochenende, Samstag 2.9. und Sonntag 3.9.2000 jeweils von 9-18 Uhr beim "48er-Zelt" in der
Abfallbehandlungsanlage 22, Percostraße 2 mit vielen Attraktionen für Groß und Klein veranstaltet wird. Das sämtliche Informationen zum Thema "Abfall" von den Experten der "48er" gegeben werden ist eine Selbstverständlichkeit. Aber auch viele andere
Organisationen, 49 an der Zahl, präsentieren sich und ihre Leistungen. Darüber hinaus gibt es aber auch ein Unterhaltungsprogramm, das sich sehen lassen kann: am Samstag
spielt um 13.30 die "Wiener Linien Blues Band" und um 16 Uhr tritt Dennis Jale auf. Am Sonntag gibt es ab 9 Uhr einen Kinderflohmarkt (Anmeldung beim "Kindermarktamt" unter der Telefonnummer 202 67
20) und ab 13 Uhr die "Confetti Club-Äkschn" mit Andreas Seidl, Sumo-Ringen, Kiddy Contest Karaoke-Show und Rico & Rocky´s Mitspielcircus. Die "48er"-Luftburg, Besichtigungen der Deponie Rautenweg, Quizspiele mit tollen Preisen und eine große Gastronomieecke sind nur einige Beispiele, die das Mistfest-Vergnügen abrunden. Ein Gratis-Shuttlebus direkt zum Mistfest verkehrt ab der U1-Kagran am Samstag ab 8.30 Uhr und am Sonntag ab 7.30 Uhr jede Viertelstunde, bei Bedarf häufiger.

Beim Mistfest wird auch erstmals der neue Beratungsbus der Abfallberatung zum Einsatz kommen. Das brandneue Fahrzeug auf
einem Fiat-Fahrgestell wurde von einer Wiener Neustädter Firma
nach den Bedürfnissen der "48er" adaptiert. Mit seiner auffälligen Außengestaltung mit dem Mistmonster wird es in den nächsten Jahren bei vielen Veranstaltungen zu sehen sein.

Abfallwirtschaftsbilanz 1999

o Statistisches

Die Restmüllmenge stieg gegenüber 1998 wieder deutlich um 4,1 Prozent an. 1999 waren es 488.456 Tonnen gegenüber 469.118 Tonnen im Jahr 1998. Die getrennte Sammlung von Altstoffen konnte, trotz europaweitem Spitzenwert von rund 40 % des Gesamtabfalls um
weitere 27.676 Tonnen oder 8,3 % gesteigert werden (1999: 361.104 Tonnen; 1998: 333.428 Tonnen).

Die Gesamtabfallmenge von rund 938.600 Tonnen wurde im Jahr 1999 zu 46 % thermisch und zu 40 % stofflich verwertet sowie zu 14
% deponiert. Die Sammelleistung der 48er erbrachte - auf Einwohner bezogen - 334 kg Restmüll und 212 kg Altstoffe, in Summe 546 kg
pro Einwohner und Jahr. Davon entfallen umgerechnet 426 kg auf Privathaushalte und 120 kg auf gewerbliche Betriebe.

Die Mitarbeiter der Straßenreinigung kehrten im vergangenen Jahr 29.269 Tonnen Straßenkehricht ein. Dies ergibt z.B. eine LKW-Schlange von Wien bis Wiener Neustadt. In dieser Summe ist der Streusplitt nicht inbegriffen. In der Wintersaison 1999/2000
wurden ca. 30.000 Tonnen Streusplitt eingekehrt.

o Problemstoffe

Die getrennte Sammlung von Problemstoffen ergab eine Menge
von 1.980 Tonnen, das ist ein Plus von 6,9 % gegenüber 1998. In
der Anlage für die Behandlung von Altkühlgeräten wurden 35.094 Geräte behandelt und einer umweltgerechten Entsorgung zugeführt. Davon waren immer noch 9.742 illegal im Stadtgebiet abgelagerte Geräte (28 Prozent der Gesamtzahl).

o Mistplätze

Als weitere Serviceleistung der "48er" standen der Wiener Bevölkerung neunzehn Mistplätze für die kostenlose Abgabe von Alt-und Problemstoffen sowie von Sperrmüll und Bauschutt zur Verfügung. Insgesamt wurden 1999 auf den Mistplätzen 125.174 Tonnen Alt- und Problemstoffe aller Art abgegeben (1998: 111.043 Tonnen). Die Mistplätze wurden von 1,620.785 Besuchern
frequentiert (1998: 1,461.557 Besucher). Somit gab im Durchschnitt jede Wienerin und jeder Wiener einmal im Jahr Altstoffe auf einem nahe gelegenen Mistplatz ab.

o Kompost für Alle

Aber es gilt nicht nur Mist zu vermeiden, sondern den Rest
auch sinnvoll zu verwerten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Allein durch die getrennte Sammlung mit dem Biotonne-System wurden 77.539 Tonnen kompostierbare Stoffe gesammelt. Zusammen mit den
auf den Mistplätzen gesammelten Mengen und den Fremdanlieferungen zum 48er-Zelt wurden 93.959 Tonnen Material der Kompostierung zugeführt (1998: 82.623 Tonnen). Im vergangenen Jahr konnten
18.012 Tonnen Kompost als wertvoller Dünger in der Wiener Landwirtschaft eingesetzt werden. Weitere 7.396 Tonnen wurden über die Mistplätze und 5.676 Tonnen über die Kleingartenvereine an private Abnehmer abgegeben.

Als Dank für die hervorragende Trenndisziplin können sich alle Wienerinnen und Wiener wieder den fertigen Reifkompost als Dünger für Garten und Blumentopf abholen. Entweder für Mengen bis 2 m3 bei einem der Wiener Mistplätze (Adressen beim Misttelefon
546 48) oder für größere Mengen ab 6 m3, z.B. für Kleingartenvereine oder Gartensiedlungen über den
kostenpflichtigen Zustellservice der MA 48 (Informationen: Tel.
258 35 21/57). (Schluss) ma

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