STANDARD-Kommentare am Donnerstag: Der erste substanzielle Streit zwischen ÖVP und FPÖ entzündet am Geld: Die FPÖ hat übersehen, dass ohne das Zutun der ÖVP beim Budget nichts geht:

Erschienen:18.08.2000 - Ausgeflittert - Samo Kobenter

Wien (OTS) - Andreas Khol hat, auf das offensichtliche Ende des politischen Honeymoons zwischen ÖVP und FPÖ angesprochen, sinngemäß gemeint, er behalte sich diesen Ausdruck für sein Privatleben vor, weil: "Beides versucht, kein Vergleich." Das ist, abgesehen vom etwas müden Witz des sonst animierteren Humoristen Khol, dem VP-Klubobmann von ganzem Herzen zu gönnen. Denn hätte ihn im Privaten seine Gattin auch nur annähernd so sekkiert wie es im Politischen die FPÖ tut, wer weiß, wie und wo die Ehe geendet hätte.

Offenbar war der arme Erhard Busek nur der Sack, dem die Blauen stellvertretend Prügel verpassten. Spätestens nach dem bizarren Gezerre um den Koalitionsausschuss, der mit dem Budgetgipfel eine der wichtigeren Entscheidungen der noch jungen Legislaturperiode von ÖVP und FPÖ vorbereiten sollte, ist eines klar: Der Liebe zarte Bande halten Schwarz und Blau nicht mehr zusammen. Das ist rascher gegangen, als man nach dem heißen Beginn der Affäre erwarten durfte. Aber im Abkühlen inniger Beziehungen hat man ja beiderseits Erfahrung.

Nicht unerwartet jedenfalls entzündet sich der erste substanzielle Streit zwischen ÖVP und FPÖ am Geld. Die FPÖ ist redlich bemüht, ein tragfähiges und ambitioniertes Budget auf die Beine zu stellen. Die ÖVP ist ebenso redlich bemüht, das zu verhindern. Sie steht, so die Klage der Blauen, in allen wesentlichen Einsparungsbereichen auf der Bremse - was, nur nebenbei, vor allem Exfinanzminister Rudolf Edlinger aufrichtig freut: "Das haben sie mit mir auch versucht."

Ein viel deutlicheres Aviso der ÖVP, dass ohne ihr Zutun beim Budget nichts geht, als die Kritik von Finanzstaatssekretär Alfred Finz konnte es gar nicht geben. Die FPÖ hat es im Eifer einfach übersehen, da hilft jetzt kein Randalieren mehr.

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