"Neue Zeit" Kommentar: "Offenheit" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 31. 8. 2000

Graz (OTS) - Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bekommt zunehmend
ein Problem innerhalb der eigenen Partei. Während sie selbst konsequent die Wahlkampf-Linie vertritt, dass sie hinsichtlich einer Zusammenarbeit in der Landesregierung keine Präferenzen habe, dass es keine koalitionären Absprachen mit der FPÖ gebe, dass sie am liebsten mit allen Regierungsparteien einvernehmlich arbeiten möchte, torpediert ihr Landesrat Gerhard Hirschmann in beachtlicher Offenheit die Strategie der ÖVP (siehe Seite 6).

Er sagt ohne Umschweife, dass er sich eine Koalition mit der FPÖ auch auf Landesebene wünscht, bezeichnet die freiheitliche Spitzenkandidatin Theresia Zierler als politischen "Wunderwuzzi" und offeriert ziemlich unverhohlen Schlüsselressorts in der Landesregierung.

Im Umkehrschluss bedeutet Hirschmanns Wunschprogramm Wasser auf die Mühlen der SPÖ-Wahlstrategie im Land. Er liefert die Bestätigung von Peter Schachners Szenario, wonach die Bundespolitik ihre nahtlose Fortsetzung in der Steiermark finden werde. Eine Einschätzung, die Klasnic nicht müde wird, ins Reich der unbegründeten Wahlkampf-Slogans einreihen zu wollen.

Bleibt die Frage, was Hirschmann mit seiner offenen Ankündigung eines VP-FP-Paktes nach der Landtagswahl bezweckt. Der SPÖ helfen will er wohl kaum, bleibt also nur zweierlei: Er widerspricht öffentlich seiner Parteichefin, um sich für die Zeit nach der Wahl in eine bessere Position zu bringen, oder um einen effektvollen Absprung vorzubereiten.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306

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