Wiesenthal: Scharfer Protest gegen drohenden Subventionsentzug für Exilkomponisten-Schwerpunkt der Salzburger Festspiele

Vorausmeldung zu NEWS 35/00 v. 31. August 2000

Wien (OTS) - Simon Wiesenthal, Leiter des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien, protestiert scharf gegen drohende Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Exilkomponisten-Schwerpunkt der Salzburger Festspiele. Das berichtet NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe.

Die Vorgeschichte: Peter Ruzicka, Intendant ab 2002, kämpft um eine Säule seines Programms, die Aufführung je einer Oper vertriebener österreichischer Komponisten in den Jahren 2002 bis 2004. Drohender Subventionsentzug in der Höhe von 10 Millionen Schilling pro Jahr könnte das Projekt zu Fall bringen: Schrekers "Die Gezeichneten" (Kent Nagano/Nikolaus Lehnhoff, 2002) und Zemlinskys "König Kandaules" (mit Angela Denoke und Johan Botha, 2003) sind in Gefahr, zu konzertanten Aufführungen zu werden. Gesichert ist nur Erich Wolfgang Korngolds "Tote Stadt" als Koproduktion mit der Wiener Staatsoper (Runnicles/Willy Decker, mit Botha und Denoke, 2004).

Zwar wurde Ruzicka von den Subventionsgebern nicht nahegelegt, die Produktionen zu stornieren, doch bleibt de facto keine andere Wahl, wie NEWS berichtet: Mozart und Festspielgründer Richard Strauss könnten nur unter skandalösen Begleitumständen aus dem Programm gehoben werden, ein großes Werk des 19. Jahrhunderts (2002:
"Turandot") bringt die in budgetären Krisenzeiten dringend erforderlichen Einnahmen, auf die jährliche Uraufführung kann nach Mortier nicht verzichtet werden.

Ruzicka: "Der Exil-Schwerpunkt soll nicht halbherzig, sondern mit der Bedeutung, die der Sache zukommt, das europäische Gedächtnis schärfen."

Simon Wiensenthal in NEWS zur drohenden Totsparung des Projekts seitens der öffentlichen Hand: "Den Nazis ging es darum, Künstler zu boykottieren, bis sie vergessen waren. In den fünfziger Jahren wurde dieser Vorgang fortgesetzt. Und jetzt hat es nicht um Geld zu gehen, sondern um moralische Wiedergutmachung. Ich fordere: Hier hat man nicht nach den Kosten zu fragen - man hat es zu tun. Sonst wird die Sache im Angesicht der Welt mehr Schaden verursachen, als man je einsparen kann."

Noch deutlicher wird die Komponistin Olga Neuwirth: "Ein Skandal. Hier sollen Komponisten, von denen die österreichische Musik maßgeblich geprägt wurde, verleugnet und von Österreich abgeschnitten werden. Das ist die zweite Ermordung."

Und Leon Zelman, Auschwitz-Überlebender und Gründer des Jewish Welcome Service: "Sie nehmen ja auch mir gerade den Zuschuss für das Welcome Service, das Exilösterreichern eine letzte Reise nach Österreich ermöglichen soll. Wen wundert es, dass unter den neuen politischen Gegebenheiten das Mindeste an Sensibilität fehlt? All das hat nichts mit Wiedergutmachung zu tun, sondern mit dem Namen und der Würde der Republik."

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