OeNB - Tumpel-Gugerell: technologischer Wandel stellt neue Herausforderungen an die Beaufsichtigung von Finanzdienstleistungen

Wien (OTS) - In ihrem Referat zum Thema "E-Aufsicht - Neue
Tendenzen bei der Beaufsichtigung von Finanzdienstleistungen
aus Sicht der OeNB" im Rahmen des diesjährigen Alpbacher Bankenseminars betonte die Vize-Gouverneurin der
Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Tumpel-Gugerell, die Notwendigkeit, einen geeigneten aufsichtsrechtlichen Rahmen
für E-Commerce, E-Banking und E-Money zu schaffen. Die
E-Aufsicht, so Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell, also jene Aufsicht, die sich mit den zahlreichen für Finanzdienst-leistungsunternehmen relevanten Entwicklungen beschäftigt,
wird zunehmend ein vorrangiges Thema für die Aufsichtsorgane.

Noch vor wenigen Jahren hat sich das Internet durch die
Möglichkeit der schnellen preisgünstigen Abfrage von Webseiten bloß als Substitut für die telefonische Informationsb-
eschaffung dargestellt. Inzwischen bietet E-Commerce bereits
die elektronische Abwicklung einer Vielzahl von Bankgeschäften
via Internet. Während wir aber heute noch über E-Commerce sprechen, deuten neueste Prognosen auf ein noch schnelleres
Wachstum beim kabellosen Bankgeschäft mittels Mobiltelefonen,
dem M-Commerce, hin, führte Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell
aus.

Das Internet ermöglicht ein problemloses grenzüber-
schreitendes Anbieten von Dienstleistungen, wobei die
Grenzkosten der Transaktionen "gegen Null tendieren". Durch
den Einsatz des Internets als neuem Vertriebsweg wird der
Druck auf die Anzahl der Zweigstellen gerade bei
filialintensiven Banken besonders stark werden. Es ist zu
erwarten, dass das standortunabhängige E-Banking Personalanpassungen und eine Flexibilisierung der
Öffnungszeiten beschleunigen wird.

Die zunehmende "Technologiebetonung" im gesamten Bankwesen
könnte auch das Systemrisiko erhöhen. Gerade deshalb werden
die Anforderungen an das interne Kontrollsystem und das Risikomanagement weiter steigen, gleichzeitig wird dadurch
auch die Notwendigkeit einer umfassenden E-Aufsicht
unterstützt.

Der IWF hat im Rahmen seiner letzten Art.IV-Konsultation auf
die Notwendigkeit einer Stärkung der Bankenaufsicht in
Österreich hingewiesen. Die OeNB unterstützt alle Bemühungen
zum Ausbau der Bankenaufsicht in Österreich, betonte
Dr. Tumpel-Gugerell. Zusätzlich sei eine weiterführende Harmonisierung in der europäischen Bankenaufsicht, in
Abstimmung mit dem Basler Ausschuß für Bankenaufsicht nötig,
um sinnvolle Rahmenbedingungen für alle Banken auf einer
breiten Basis zu schaffen.

Eine effektive Systemaufsicht fördere stabile und
effiziente Zahlungssysteme im Euroraum. Die wesentlichen Zielsetzungen der Zahlungssystemaufsicht im Eurosystem sind einerseits die Aufrechterhaltung der Systemstabilität, d.h.
die Eingrenzung der Systemrisiken in Zahlungssystemen und die Sicherheit der neuen Zahlungsmedien, andererseits die
Absicherung der geldpolitischen Transmissionskanäle im Rahmen
der Geldpolitik, betonte Dr. Tumpel-Gugerell.

Dies erfordert die Kenntnis der maßgeblichen Entwicklungen
in den Zahlungssystemen und -medien und die Möglichkeit der Notenbanken, die auf internationaler Ebene formulierten Mindeststandards für die Systemsicherheit auch auf nationaler
Ebene durchzusetzen.

E-Geld habe, so Dr. Tumpel-Gugerell, natürlich auch für Notenbanken wegen der potenziellen Auswirkungen auf die
Geldpolitik eine wesentliche Bedeutung, da es zu geänderter Geldnachfrage und einer Neudefinition der Geldmengenaggregate führen könne. Mit einer Zunahme des bargeldlosen
Zahlungsverkehrs ist jedenfalls zu rechnen; physisches Geld
wird aber weiter seine Bedeutung haben.

Das Ziel sei ein abgestimmtes Rahmenwerk für den "grenzen-
losen" E-Commerce. Denn eine regulatorische Harmonisierung und konsistente internationale Rahmenbedingungen liegen im
Interesse aller Beteiligten - der Kunden, der Interent-
Anbieter und der Aufseher. Das Bewußtsein dafür müsse aber
noch weiter geschärft werden.

Aus Sicht der Notenbank müssen alle E-Geld-Emittenten einer Aufsicht unterliegen, da sonst andere Wirtschaftssubjekte, die
nicht dem traditionellen Bankensektor zuzurechnen seien, unbeaufsichtigt eigene virtuelle Zahlungsmittel schöpfen und emittieren könnten, schloss die Vize-Gouverneurin der OeNB,
Dr. Tumpel-Gugerell.

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