Lunte

Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung " - Kommentar "In Wien brennt die Lunte" Ausgabe vom 30. Aug. 2000 Klagenfurt (OTS) - Erhard Busek musste 1995 als ÖVP-Chef den Hut nehmen, weil er zu gescheit war. Sein feinsinniger Humor und seine Ironie waren selbst Parteifreunden suspekt. Bauernschläue und deftige Worte sind in der Politik gefragt, nicht jedoch Intellekt. Es war eine Fage der Zeit, wann der Regierungsbeauftragte mit den Blauen die Klingen kreuzen würde. Es herrscht aber nicht nur zwischen Busek und der FPÖ der Kriegszustand, seit gestern brennt auch zwischen den Koalitionären die Lunte. Nachdem Kanzler Schüssel sich hinter seinen Parteifreund stellte, ließ Westenthaler verkünden, dass für die Freiheitlichen Busek nicht länger Regierungsbeauftragter sei. Damit ist der Krach perfekt. Freilich, jene, die glauben, dass wegen dieser Causa die blauschwarze Koalition in Brüche gehen könnte, sollten nicht voreilig Schlüsse ziehen. Denn Schüssel ist nichts anderes übrig geblieben, als Busek zu verteidigen. Hätte er es nicht getan, würde es heißen, er sei der Verlierer und Jörg Haider der Macher, der die Außenpolitik in Österrreich bestimmt. Und das wäre angesichts des zu erwartenden EU-Berichtes der drei Weisen eine Katastrophe. Ein Junktim zwischen den Benes- und AVNOJ-Dokumenten und der EU-Mitgliedschaft Tschechiens und Sloweniens herzustellen, mag zwar legitim sein, wäre derzeit aber politisch unklug und würde unser Land weiter in die Isolation drängen. Das weiß auch Schüssel, der auf "Abwarten und Tee trinken" setzt. Noch hat Busek seine Chance, doch er sollte sich nicht wundern, wenn er früher oder später von seiner Partei ein zweites Mal abserviert wird.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI