STANDARD-Kommentar am Mittwoch: Die FPÖ ist nun nicht nur durch Buseks Sticheleien, sondern vor allem durch ihre eigene Maßlosigkeit beschädigt.

Erschienen: 18.08.2000

Wien (OTS) - Wie sich die FPÖ blamiert

Conrad Seidl =

Erhard Busek mag ein manchmal schwieriger Charakter
sein. Aber er ist ein Charakter. Und einer, der sich in Ostmitteleuropa auskennt, wie kaum ein zweiter. Dieses Expertenwissen wurde von Österreich nur in der relativ kurzen Zeit genutzt, in der Busek in der Bundesregierung gesessen ist. Bis die schwarz-blaue Regierung entdeckt hat, dass ein international anerkannter Fachmann wie Busek dem Image und womöglich sogar den Interessen Österreichs nützen könnte.

Also hat man Busek losgeschickt. Ohne klaren Auftrag - denn niemand hat sich getraut, die Interessen Österreichs wirklich zu definieren. Ist es im Interesse Österreichs, dass Tschechien aus der EU ausgesperrt bleibt, wenn es Temelín aufsperrt? Ist es im Interesse Österreichs, dass Slowenien aus der EU ausgesperrt bleibt, solange die Avnoj-Beschlüsse gelten? Solche Junktims (je nach politischer und geographischer Lage auch bezüglich der Bene's-Dekrete und des Kraftwerks Krsko) wurden bisher nur von Länderpolitikern hergestellt - die Bundespolitik hat sich nie zu einer klaren Linie durchgerungen. Erhard Busek aber hat eine Linie: Er glaubt nicht an die Wirkung von Drohgebärden (und hat damit vermutlich Recht, schon weil ja die wirklich Verantwortlichen im Zweifelsfall gar nicht dahinter stünden).

Das ist frustrierend für jene, die gewohnt sind, starke Worte zu gebrauchen - und solche Leute gibt es in der FPÖ zuhauf.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Busek mit ihnen zusammenstoßen würde. Busek hat das vorhergesehen (und dass er als Regierungsbeauftragter bewusst keine großen Spesen gemacht hat, belegt das), und er hat sich auf den Streit wohl auch gefreut: Es hat ihm immer eine gewisse Befriedigung verschafft, sich anderen überlegen fühlen zu können und das auch noch in aller Öffentlichkeit anerkannt zu bekommen.

Die FPÖ hat Busek den Gefallen getan, seine sofortige Ablöse zu verlangen - eine Forderung, die ihr nicht mit jener Promptheit erfüllt wurde, die am Stammtisch als "Sieg" interpretiert werden könnte. Die Freiheitlichen mussten sich auf den formalen Standpunkt zurückziehen, dass der gegen Jörg Haider stichelnde Busek ohnehin nur im Außenministerium und nicht am Regierungstisch sitzt. Na und? So eine Erklärung hätten wir von den viel geschmähten "Altpolitikern" auch haben können. Die FPÖ ist nun nicht nur durch Buseks Sticheleien, sondern vor allem durch ihre eigene Maßlosigkeit beschädigt.

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