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"oberster Briefträger in der Defensive" von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Der frühere Siemens-Vorstand und Ö-Call-Chef Anton Wais hat ein schweres Erbe angetreten, als er am 1.Juli 1999 als einziger Bewerber den Job als oberster Postfuchs annahm. Denn ein Gerangel um diese Aufgabe herrschte wahrlich nicht. Jetzt wird schön langsam deutlich, warum. Post-Generaldirektor zu sein ist kein Management-Job im üblichen Sinne. Es ist ein Vabanque-Spiel zwischen Eigentümer, Postler-Gewerkschaft, Öffentlichkeit und Politik. Und das bedarf einer ganz besonderen Sensibilität. Diese Sensibilität ist allerdings nicht gerade Wais' Stärke. Der Showdown am Montag, der ihm wegen der Entlassungspläne für 6000 Mitarbeiter eine Generalstreikdrohung der eigenen Leute einhandelte, hätte nicht sein müssen. Denn diese Reaktion der Postler auf die Ankündigungs- und Dementi-Politik des Vorstands im letzten Jahr war vorherzusehen.Nur einige Beispiele, warum man dem Post-Management selbst durchaus nicht gerade Effizienz attestieren kann:l Im August 1999 rief Wais den "Wettbewerb" unter den Postämtern aus und wollte "neue Produkte" einführen. Das ist bis jetzt nur in Spuren gelungen.l Die "Endverhandlungen" mit der französischen "La Poste" über ein gemeinsames Auftreten in Südosteuropa ziehen sich ewig hin. Erkennbares Ergebnis bis jetzt: null.l Die Ausgliederung der Postbussparte entwickelt sich zur "never ending story". Im März 2000 wurde der deutsche Bus-Manager Werner Ott um teures Geld nach Wien gelockt, um die Bussparte auf Vordermann zu bringen. Nun muss er sich erneut um den Vorstandsposten bewerben, weil der Postbus erst jetzt "rückwirkend" zum 1.1.2000 ausgegliedert wird. Zusätzlich wird ein zweiter Vorstand eingestellt. Und der Stand der Zusammenlegung mit den Bahnbussen ist noch genau so wie vor einem Jahr. l Von einer gelungenen Reform á la Deutsche Post, die Wais gerne als "Benchmark" heranzieht, kann man in Österreich nur träumen. Es gibt wenig sichtbare Resultate, was das Thema Mitarbeiterabbau umso leichter eskalieren lässt. l Die Frage "Postamts-Schliessungen - ja oder nein" treibt die Postler zur Weissglut. Eine Briefabgabestelle im Tiroler Pitztal mit zwei Stunden Öffnungszeit pro Tag und einer Teilzeitkraft ist vielleicht formal ein Postamt. In Wirklichkeit ist das Schliessungsdementi aber ein recht flacher Winkelzug. (Schluss) amb

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