EU-Erweiterungsserie: Rumänien hat noch großen Nachholbedarf

Wirtschaftsstrategieprogramm Rumäniens bis 2004 auf die EU-Vorgaben zugeschnitten

Wien (PWK722) - Die Aufnahme Rumäniens in die Gruppe der neuen Beitrittskandidaten anlässlich der Helsinki-Konferenz im Dezember letzten Jahres hat eine gewisse EU-Euphorie in Rumänien ausgelöst. "Über fünf Beitrittskapitel wurden die Verhandlungen im ersten Halbjahr 2000 vorläufig positiv abgeschlossen und es kann damit gerechnet werden, dass weitere vier Beitrittskapitel von insgesamt 31 im Jahresverlauf 2000 eröffnet werden", berichtet Österreichs Handelsdelegierter in Bukarest, Franz Bachleitner, über den aktuellen Stand der EU-Beitrittsbemühungen Rumäniens.

Diese Erfolge dürfen jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Bruttoinlandsprodukt Rumäniens erst im Jahre 2021 40 Prozent des durchschnittlichen BIP-Wertes der EU erreichen werde, macht Bachleitner aufmerksam.

In den letzten 10 Jahren nach der Revolution wurde in Rumänien wirtschaftlich viel versäumt und erst jetzt gibt es Anzeichen für eine Erholung durch verstärkte ausländische Investitionen und zahlreiche Infrastrukturprojektvorhaben. "Diese werden von Krediten der EBRD, der EIB, der Weltbank, des IMF aber vor allem auch durch ISPA-, SAPARD- und Phare-Mittel profitieren", so Bachleitner. Allein im Jahr 2000 habe die EU dafür Rumänien 620 Mio Euro bewilligt.

Das ISPA- und Phare-Programm läuft sehr gut. Bei den Ausschreibungen zu diesen Programmen (http://europa.eu.int/comm/scr/cgi/frame12.pl) ergeben sich auch besondere Chancen für österreichische Exportfirmen. Etwas Probleme gibt es bei SAPARD, da die rumänische Landwirtschaft sehr kleinbetrieblich strukturiert ist und 25 Prozent Selbstbehalt bei der Umsetzung von Projektvorhaben viele Betriebe überfordert.

"Die rumänische Regierung beschloss nun auch ein mittelfristiges Wirtschaftsstrategieprogramm bis 2004, das auf die Vorgaben zur EU-Integration abgestellt ist und von Beamten der Brüsseler Administration vor Ort überwacht werden soll", erklärt Bachleitner. Dadurch solle gewährleistet sein, dass die Integration in europäische Strukturen rascher vorwärts kommt und eine Vollmitgliedschaft nach 2010 realistisch wird.

Das politische und wirtschaftliche Klima zwischen Österreich und Rumänien hat sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Der bilaterale Außenhandel läuft vergleichsweise gut. Auch wenn die österreichischen Exporte 1999 auf einer Höhe von 5,1 Mrd Schilling (+0,2 Prozent) stagnierten, konnte Österreichs Exportwirtschaft dennoch Marktanteile in Rumänien gewinnen; die rumänischen Importe gingen im Vorjahr nämlich um rund 15 Prozent zurück. Die Stärken Österreichs in der Ausfuhr liegen vor allem bei Maschinen und Fahrzeugen, bearbeiteten Waren wie Papier und Pappe, Textilien sowie chemischen Erzeugnissen.

ZUSATZINFORMATION: Interviews mit österreichischen Firmen, die am rumänischen Markt aktiv sind und über ihre praktischen Geschäftserfahrungen in Rumänien berichten, finden sie heute im Internet auf der Homepage der Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at

Morgen setzt die EU-Erweiterungsserie mit einem Bericht über Malta fort. Insgesamt wird täglich bis zum 1. September je über einen Erweiterungskandidaten berichtet. (Ne)

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: (01) 50105-4599
Fax: (01) 50105-263
e-mail: markus.nepf@wko.at

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK