Kann Cerivastatin die Post-MI-Aussichten verbessern? / Zweiter Präventionsversuch gestartet - ein Meilenstein

Amsterdam, Niederlande (ots-PRNewswire) - European Society of Cardiology, 12. Jahrestagung (ESC) - Eine Studie über die die Vorbeugung von Reinfarkten durch frühzeitige Behandlung mit Cerivastatin (Princess) wurde den internationalen Medien am heutigen Tag auf dem Treffen der European Society of Cardiology vorgestellt. Princess untersucht, ob die innerhalb von 48 Stunden nach einem Myokardinfarkt (MI) begonnene Behandlung der Patienten mit Cerivastatin die langfristigen Aussichten verbessert und das Auftreten eines Reinfarktes verhindert.

Herzanfälle oder Myokardinfarkte gehören weltweit zu den hauptsächlichen Todesursachen, und im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist die Sterblichkeitsrate signifikant angestiegen (1). Das höchste Mortalitätsrisiko ist jedoch bei denjenigen zu verzeichnen, die einen akuten MI überlebt haben. In dem Sechsjahreszeitraum nach einem Infarkt beläuft sich der Anteil derjenigen, die einen Reinfarkt erleiden, bei Frauen auf 33% und bei Männern auf 21%.

Die hauptsächlichen Untersuchungen werden von Professor Jean-Marc Lablanche, Lille Cardiology Hospital, Lille (Frankreich) durchgeführt, der folgenden Kommentar gab: "Wir haben nicht nur eine hohe Krankenhaussterblichkeit, sondern schätzen auch, daß das Auftreten einer kardiovaskulären Mortalität in den darauffolgenden zwei Jahren bei ungefähr 25% liegt. Bei den verschiedenen bereits durchgeführten kardiovaskulären Versuchen erfolgte der früheste Beginn einer Statinbehandlung in Übereinstimmung mit den gegenwärtigen Behandlungsprotokollen drei Monate nach dem MI (2). Dennoch sind bis jetzt keine Ergebnisse über die Wirkung von Statin verfügbar, das den Patienten unmittelbar nach einem akuten MI verabreicht wurde. Wir denken, daß Princess die positive Wirkung von Cerivastatin auf die Erhöhung der Überlebensraten und die Verbesserung der Sekundärprävention bei der Post-MI-Behandlung zeigen könnte."

Eine günstige Beeinflussung der koronaren Risikofaktoren ist wesentlicher Bestandteil der Sekundärprävention. Bezüglich der koronaren Risikofaktoren ergab sich insbesondere bei Statinen eine signifikante Evidenz hinsichtlich einer Lipidsenkung (2, 3, 4, 5, 6,). Es kommt zu einer 24%-igen Senkung des Mortalitätsrisikos koronarer Herzkrankheiten (coronary heart disease, CHD) oder bestätigter akuter MI, wenn die Patienten einer lipidsenkenden Therapie unterzogen werden. Die American Heart Association und andere Gesellschaften für Kardiologie haben seitdem Richtlinien herausgegeben, wann bei Patienten mit koronaren Herzkrankheiten mit einer cholesterinsenkenden Therapie zu beginnen ist (7, 8). Statine gehören dabei zur ersten Wahl, aber es werden immer noch wissenschaftliche Debatten darüber geführt, ob durch Statine tatsächlich ein Klasseneffekt hinsichtlich der Prognoseerhöhung erzielt wird. Die Wirkung von Cerivastatin auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität ist bis jetzt noch nicht festgestellt worden, aber verschiedene Studien sind in Arbeit.

Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Arteriosklerose eine Entzündungskrankheit ist und daß bei den meisten Patienten ein MI infolge eines Thrombus auftritt, der an einer Erosion oder unebenen Verdünnung bzw. an einem Riß entstanden ist (9). Das erklärt teilweise, warum bei Patienten, die mit Statin behandelt wurden, das Auftreten eines Myokardinfarktes weniger wahrscheinlich ist.

Es sieht jedoch so aus, daß Entzündungen ein Schlüsselfaktor für das langfristige Überleben von Patienten mit Herzanfällen sind und daß sich durch die Reduzierung einer Entzündung nach einem Anfall die Aussichten verbessern. Die Heilung der Entzündung fördert die Bildung einer glatten und sauberen Narbe über dem Bereich, in dem ein arteriosklerotischer Plaque gerissen ist. Dadurch verringert sich die Neigung zu künftigen Rissen.

Cerivastatin ist hauptsächlich wegen seiner Effektivität in bezug auf LDL-C, HDL-C und Triglyzeride bei Patienten des Hypercholesterinämietyps III/II anerkannt. Jedoch haben vorklinische Modellversuche auch gezeigt, daß Cerivastatin außer den lipidsenkenden Wirkungen auch pharmakodynamische Effekte aufweist -einer dieser Effekte besteht in der entzündungshemmenden Wirkung. Darüber hinaus besteht die Auffassung, daß Cerivastatin Eigenschaften hat, welche die Revaskularisierung, d.h. den Wiederaufbau von Gefäßen fördern, die nach einem MI schwere Schäden davongetragen haben, so daß diese Gefäße weiterhin durchgängig bleiben.

Sekundäre oder pleiotropische Effekte sind gegenwärtig der Gegenstand einer intensiven Forschungstätigkeit; diese Forschungen beantworten auch Fragen zur Höhe des Wirkungsgrades von Statinen bei klinischen Versuchen. Es wurde nachgewiesen, daß sich Cerivastatin günstig auf die Wiederherstellung der Endothelfunktion nach zwei Wochen auswirkt und die arteriosklerotischen Plaques stabilisiert; darüber hinaus hat Cerivastatin durch die Abschwächung der Intimaproliferation der glatten Muskulatur eine hemmende Wirkung auf die Intimaverdickung. Der Princess-Versuch sollte auch klinische Antworten über die positiven Auswirkungen bezüglich Entzündungen und Revaskularisierung geben.

Princess ist eine multinationale, multizentrale, doppeltblinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Parallelgruppenstudie von Cerivastatin 0,4 mg gegen Placebo bei der Frühbehandlung von ca. 3000 Patienten mit einem akuten MI. Die Studie wird in zwei Zeitabschnitte unterteilt: in einen 3-monatigen doppeltblinden Placebo-kontrollierten Abschnitt und in eine sich daran anschließende mindestens 21-monatige Open-label Behandlungsphase mit Cerivastatin 0,4mg/0,8mg in beiden Gruppen. Die primären Endpunkte der Studie schließen Myokardinfarkt, kardiovaskulären Tod, ischämischen Insult, instabile Angina oder Herzversagen ein. Die Studie wird in 250 Zentren in Europa, Israel und Kanada durchgeführt, und die Ergebnisse werden im Jahr 2003 erwartet.

Dr. Frank Armstrong, Leiter Produktentwicklung, Business Group Pharma, Bayer AG, gab folgenden Kommentar: "Princess stellt eine Ergänzung zu unserem umfassenden Versuchsprogramm dar und wird neues Licht auf die erwarteten Vorteile pleiotropischer Effekte werfen, die auf Statine zurückzuführen sind, z.B. auf Cerivastatin. Wir möchten den Ärzten klinische Unterstützung beim Problem der langfristigen Überlebensraten von MI-Patienten geben. Gleichzeitig wollen wir denjenigen Patienten Hoffnung machen, die ein derartiges Martyrium überleben, das das gesamte Leben verändert."

Literaturangaben

1. Murray CJ, Lopez AD, eds. The global burden of disease: A comprehensive assessment of mortality and disability from disease, injuries and risk factors in 1990 and projected to 2020. USA, Harvard School of Health, 1996

2. Sacks FM, Pfeffer MA, Moye L, et al. The effect of pravastatin on coronary events after myocardial infarction in patients with average cholesterol levels. N Engl J Med 1996;335:1001-9

3. Canner PL, Berge KG, Wenger NK, et al. Fifteen year mortality in Coronary Drug Project patients: long-term benefit with niacin. J Am Coll Cardiol 1986;8:1245-55

4. The Scandinavian Simvastatin Survival Study Group. Randomised trial of cholesterol lowering in 4444 patients with coronary heart disease: the Scandinavian Simvastatin Survival Study(4S).Lancet 1994;344:1383-9

5. Sacks FM, Pfeffer MA, Moye L, et al. The effect of pravastatin on coronary events after myocardial infarction in patients with average cholesterol levels. N Engl J Med 1996;335:1001-9

6. The Long-Term Intervention with Pravastatin in Ischaemic Disease (LIPID) Study Group. Prevention of cardiovascular events and death with pravastatin in patients with coronary heart disease and a broad range of initial cholesterol levels. N Engl J Med 1998;339:1349-57

7. Recommendations of the Second Joint Task Force of European and other societies on coronary prevention. Eur Heart J 1998;19:1434-1503

8. Grundy SM, Balady GJ, Criqui MH, et al. When to start cholesterol-lowering therapy in patients with coronary heart disease. A statement for healthcare professionals from the American Heart Association Task Force on Risk Reduction. Circulation 1997;95:1683-5

9. Ross R. Atherosclerosis - An inflammatory disease. N Engl J Med 1999;340:115-26

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