AK: Konsumenten brauchen bei Vitamin- und Mineralstoffpillen mehr Sicherheit

EU-Vorschlag unzureichend

Wien (AK) - Jeder vierte nimmt sie: Immer mehr Menschen schlucken Vitamine und Mineralien, um sich Gutes zu tun. Aber sind diese Mittel sicher? Die Aufklärung über Inhaltsstoffe und Wirkung von Vitaminpillen und Mineralstoffkapseln ist in den meisten EU-Ländern lückenhaft. Was drin sein darf und was drauf stehen muss, soll nun EU weit einheitlich geregelt werden - aber der Vorschlag hat noch Mängel, kritisieren die AK Konsumentenschützer. Sichere Höchstmengen, die verpflichtende Anmeldung und eine für die Konsumenten leicht verständliche Information über die sichere Anwendung sind die wichtigsten Verbesserungen der EU-Richtlinie, die die AK in ihrer Stellungnahme von der EU-Kommission verlangt. Außerdem müssen die neuen Vorschriften auch für alle anderen arzneimittelähnlichen Produkte gelten. ****

"Über Wirkungen und unerwünschte Wirkungen" von Pillen, die als Lebensmittel verkauft werden, muss besser informiert werden, verlangen die AK Konsumentenschützer. Eine neue EU-Richtlinie soll nun die europaweit unterschiedlichen Vorschriften für Vitamin- und Mineralstoffpillen vereinheitlichen. Diese positive Initiative braucht noch Verbesserungen, verlangen die AK Konsumentenschützer in ihrer Stellungnahme.

Die EU-Kommission hat im Mai einen Vorschlag zur Regelung für Vitamin- und Mineralstoffpillen vorgelegt. Derzeit gelten überall nur einzelstaatliche Bestimmungen. Mit den EU-Bestimmungen sollen die unterschiedlichen Regelungen in den Ländern vereinheitlicht und Handelshemmnisse abgebaut werden.

Es gibt immer mehr Vitaminpillen, Mineralstoffkapseln und andere Präparate zur "Verbesserung der Gesundheit" am Markt, die als Lebensmittel verkauft werden. Nahrungsergänzungspillen boomen also -so nehmen 25 Prozent der EU-Bevölkerung solche Tabletten ein, in Amerika ist es sogar jeder zweite. Ein Drittel der Deutschen gibt 350 Schilling pro Monat für Nahrungsergänzungen aus.

Diese Pillen müssen für alle KonsumentInnen sicher sein, sagen die AK-Konsumentenschützer. Wissenschaftliche Studien bezüglich der Wirkung einzelner Vitamine haben zu keinen eindeutigen Ergebnissen geführt oder mussten sogar abgebrochen werden, weil vermehrt Krebsfälle auftraten. Sichere Obergrenzen für künstliche Vitamine und Mineralstoffe zum Schutz aller Bevölkerungsgruppen sind besonders wichtig, damit aus den "kleinen Helferleins" keine lauernde Gefahr für die Volksgesundheit wird. Im EU-Vorschlag sind aber keine Obergrenzen festgelegt.

Lücken - Mehr Sicherheit und Information gefordert
+ Sichere Obergrenzen für künstliche Vitamine und Mineralstoffe müssen in der Richtlinie oder zumindest zeitgleich festgelegt werden, fordern die AK-Konsumentenschützer.

+ Der EU-Vorschlag sieht vor, dass künftig Vitamin- und Mineralstoffpillen einheitlich gekennzeichnet sein sollen.
Der Warnhinweis, dass mehr als die empfohlene Tagesdosis zu gesundheitlichen Problemen führt, muss dort angebracht werden, wo der Konsument die Information auch wahrnimmt. Die AK schlägt daher vor, dass dieser Hinweis auf der Schauseite des Produktes oder in unmittelbaren Zusammenhang mit der Wirkungsauslobung angebracht wird.

Kritik übt die AK auch, dass die maximale Menge an einem Vitamin oder Mineralstoff, die "künstlich" zugeführt werden darf, nicht angegeben werden muss.

+ Die AK beanstandet auch, dass kein einheitliches behördliches Meldeverfahren vorgesehen ist - die Mitgliedsstaaten können davon absehen und "andere geeignete Maßnahmen" festlegen. Ein einheitliches Meldeverfahren einhergehend mit Datensammlungen sowohl über den Verbrauch künstlicher Vitamine und Mineralstoffe als auch den Versorgungszustand der Bevölkerung sind notwendig. Das muss der EU-Gesetzgeber vorgeben. Wenn sich zB durch vermehrten Gebrauch von Vitaminpillen der Versorgungszustand bei manchen Vitaminen stark verbessert, sind die sicheren Obergrenzen möglicherweise zu hoch, um für alle Bevölkerungsschichten als sicher zu gelten.

+ Die Aufzählung, welche Vitamine und Mineralstoffe eingesetzt werden dürfen (Positivliste), muss überdacht werden, sagen die AK-Konsumentenschützer. Einige Stoffe sollten gestrichen, andere mit zusätzlichen Auflagen versehen werden (zB potentiell toxisches Vitamin A kann durch harmloses Carotin ersetzt werden).

+ Die Grundprinzipien des Vorschlags müssen für alle Nahrungsergänzungen gelten, will die AK. So müssen Sicherheit und umfassende Information auch für Produkte wie Grünteekapseln, Kürbiskerntabletten, Enzympräparate etc gelten.

+ Der Hersteller muss beweisen, dass sein Produkt eine bestimmte Wirkung hat, wenn er das behauptet, verlangen die AK-Konsumentenschützer:

+ Mitgliedsstaaten müssen insbesondere den Vertrieb übers Internet stärker kontrollieren.

+ Der Preis muss auch pro empfohlener Tagesdosis ausgezeichnet sein, weil durch verschiedene Dosierungen Preisvergleiche nur schwer möglich sind.

Die AK-Konsumentenschützer befürchten, dass das gute österreichische Modell mit verpflichtender Anmeldung, Zulassung von gesundheitsbezogenen Aussagen und Versandhandelsverbot zum Nachteil der Konsumenten verändert wird.

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