Nobelpreisträger Jean-Marie Lehn und Klaus von Klitzing bei den Alpbacher Technologiegesprächen 2000: Bei Forschung und Entwicklung Nachholbedarf in Europa

Wien/Alpbach (OTS) - Jean-Marie Lehn, Nobelpreisträger für Chemie, und Klaus von Klitzing, Nobelpreisträger für Physik, sind zwei der prominentesten Teilnehmer der Alpbacher Technologiegespräche 2000. Jean-Marie Lehn, der 1987 für seine Leistungen im Bereich der Molekularforschung den Chemienobelpreis erhielt, stand - wie schon im Vorjahr - für "Junior Alpbach" zur Verfügung und gab Jugendlichen Einblick in das alltägliche Leben eines Wissenschafters. Klaus von Klitzing, Nobelpreisträger für Physik im Jahr 1985, hält am Samstag, dem 26. August 2000, das Abschlußreferat der Alpbacher Technologiegespräche 2000 mit dem Titel "Der Quantensprung von der Mikro- zur Nanoelektronik". Lehn und von Klitzing beantworteten im Rahmen einer Pressekonferenz am Samstag, dem 26. August, in Alpbach Fragen zu den aktuellen Rahmenbedingungen der Wissenschaft. Als Vertreter der Veranstalter nahmen an der Pressekonferenz DI Dr. Günter Hillebrand (Austrian Research Centers Seibersdorf), ORF-Hörfunkintendant Dr. Manfred Jochum (Österreichischer Rundfunk -Programm Österreich 1) und Dr. Thomas Oliva (Vereinigung der Österreichischen Industrie) teil.

Laut Jean-Marie Lehn sind die Investitionen in Forschung und Entwicklung in Europa nach wie vor viel geringer als in den USA oder Japan. Hier gebe es noch erheblichen Nachholbedarf. Grundsätzlich sei die Qualität von Studenten und Forschern eine wesentliche Standortfrage, gute Leute seien auch in Europa da. Man müsse jedoch sehen, daß die Zeit vorbei sei, wo man Wissenschaft als schlecht bezahltes Hobby abtue. Durch die wesentlich bessere Dotierung von Forschung und Entwicklung in den USA geschehe derzeit ein massiver "Brain Drain", ein Abfließen von Know-how. Kritisch betrachtet Lehn übertriebene Ängstlichkeit vor den Ergebnissen der Forschung: Diese stünde oft in keinem Verhältnis zum potentiellen Nutzen von Forschungsergebnissen. Lehn betonte die Chancen von Evaluierung für Forschung und Entwicklung, die gerade in Europa durch die internationale Zusammensetzung von Kommissionen die Möglichkeit zur objektiven Betrachtungsweise von Projekten biete.

Klaus von Klitzing erläuterte, daß - anders als in den USA -ausländische Studenten in Europa nur vorübergehende Gäste seien und nach Abschluß ihres Studiums Europa meist wieder verließen. Er vermisse die Priorität der Qualität und Exzellenz in Europa. Gerade im Wissenschaftsbereich sei der Druck z.B. aus den USA enorm, und der Wettbewerb zwischen Forschungseinrichtungen wachse ständig. Zu technikkritischen Tendenzen meinte von Klitzing, daß jede Entwicklung Vor- und Nachteile habe. Technik ohne Nebenwirkungen gebe es nicht, man müsse sich jedoch vor Augen führen, daß in vielen Fällen die Vorteile überwiegen. Wichtig sei, daß sich Ethik und Fortschritt parallel weiterentwickeln.

(Fotos via APA)

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