"Neues Volksblatt" Kommentar: "Bunte Vögel" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 26. 8. 2000

Linz (OTS) - Jörg Haider und Erhard Busek sind beide bunte Vögel, jeder auf seine Weise. Man könnte also im derzeitigen Konfliktfall zur verbalen Mäßigung rufen und zur Tagesordnung übergehen. Doch über die angesprochene Vogel-Perspektive hinaus schneidet dieser Streit tief ins Fleisch der Koalition, geht es doch um Themen, in denen ÖVP und FPÖ zumindest Konkurrenten, wenn nicht gar politische Gegner sind: Es geht um die Vertriebenenpolitik und um die EU- Erweiterung. Der Konflikt ist ein Symptom, dass in der Koalition die Flitterwochen zu Ende gehen. Im heißen Herbst muss sich die schwarz- blaue Zweck-Ehe bewähren. Die vorgelebte Harmonie wird endgültig dem Härtetest unterzogen. Noch profitiert diese Koalition von der Schwäche der großen Oppositionspartei, die Alternativen derzeit ausschließt. Damit sollte man nicht endlos spekulieren. Die Chancen sind da. Ein halbes Jahr lang hat die Regierung gezeigt, was sie weiterbringt, wenn sie harmoniert. Das mag vor allem für jenen Partner schwierig sein, der zwar stimmenstärker ist, aber nur die zweite Geige spielen darf. Aber überleben kann diese Regierung nur gemeinsam. Da dürfen zwar auch einmal bunte Vögel lustig zwitschern. Den Grundton können aber nur der Kanzler und die Vizekanzlerin vorgeben, und sonst niemand!

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