Rasen bleibt toll!

Wien (OTS) - "Die Beschleunigung - unbeschreiblich! Der Motor -
wie Musik! Die Blicke der Frauen - begeistert und bewundernd" lautet das entzückte Resümee eines Autotesters zu einem italienischen Sportwagen.

"In Anbetracht der ständig präsenten, gigantischen Werbe- & PR-Kampagne für das Schnellfahren dürfen wir uns nicht wundern, dass vergleichsweise "lauwarme" Sicherheitskampagnen nur wenig bewirken. Selbst die Berichte über schreckliche Unfälle durch Raserei werden schnell wieder verdrängt. Viele Lenker kehren rasch zur gewohnten und oft zu hohen Geschwindigkeit zurück" meint der Mobilitäts- und Motivforscher Mag. Michael Praschl.

Über 80% der Lenker halten es - aufgrund ihres vermeintlich hervorragenden Fahrkönnens - ohnehin für praktisch ausgeschlossen, dass sie selbst einmal einen Unfall verursachen könnten. An dieser grandiosen Selbsteinschätzung prallen Sicherheitsappelle meist wirkungslos ab, während die Tempoverherrlichung vielfach auf fruchtbaren Boden fällt. Noch nie wurden in Österreich so viele Sport- und Luxusautos gekauft wie heuer.

Eine Milliarde Schilling Jahreseinkommen für einen Autorennfahrer, ist ein deutlicher Hinweis auf den hohen gesellschaftlichen Wert der Fähigkeit, schnell fahren zu können. Die Verehrung der Rennfahrer als grandiose Könner führt unweigerlich zur gedanklichen Koppelung von "Schnellfahren" = "hohes Ansehen und Prestige".

Politiker, die aus superschnellen Sportwagen winken, sind sich der Symbolwirkung sicher bewußt und wollen damit wohl kaum eine Ablehnung einer sportlichen Autophilosophie vermitteln.

Sowohl in der Autowerbung als auch in vielen Testberichten finden sich zugkräftige Argumente für rasantes Fahren: "Lassen Sie Ihren Emotionen freien Lauf. Spüren Sie die reine Kraft von 321 PS am eigenen Leib. Ungezügelte Power - perfekte Kontrolle". Ein Werbetext, der kaum zum Ideal des rücksichtsvollen, partnerschaftlichen Fahrens passt.

Werbeslogans werden von manchen Testberichten aber noch weit übetroffen. Zitat: "Sie können den 328i kaufen, und immer wieder mal ein paar fetzige Runden auf der Höhenstraße drehen. ...Sie können aber auch Ihre Oma hinten hineinsetzen und Sie mit 240 über die Süd transportieren, ohne dass sie groß was merkt. Der 328er ist nämlich sauruhig bei sauschnell. Das Auto veträgt beides: Cruisen und Fetzen". Gegen dieses Fahrideal des "Fetzens" kommt man mit braven "Brems Dich ein"-Appellen nur schwer an.

Der Oscar für die wirksamste Schnellfahr-Werbung geht aber an die Filmindustrie. Die meisten nachahmenswerten Idole zeigen sich risikofreudig und rasant. Ein alkoholfreier James Bond mit "angepaßter Geschwindigkeit" würde das Publikum erheblich irritieren - sein Image wäre unwiederbringlich ruiniert.

Praschl: "Die Verkehrssicherheitsarbeit muss sich gegen eine sehr wirksame "Werbung für das Schnellfahren" durchsetzen. Das ist nur möglich, wenn die Sicherheitsexperten noch effektiver arbeiten und auf eine optimale Kombination technischer, legistischer, ausbildungsmäßiger sowie wirksamer (!) meinungsbildender Maßnahmen setzen."

Nähere Informationen und Quellenangaben:
http://members.aon.at/mip/Raser.htm

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