DER STANDARD bringt in seiner Freitag-Ausgabe einen Kommentar zum bevorstehenden Wahlkampf in der Steiermark: Erschienen:18.08.2000

Auf der Suche nach Schuldigen. Steiermark: Wahlkampf für eine Testwahl, die irgendwie doch keine sein soll (Michael Fleischhacker)

Wien (OTS) - Wenn die Intervalle zwischen den Veröffentlichungen von vermuteten, gefälschten, geschätzten oder tatsächlichen Pensionsansprüchen von Politikern kürzer werden, liegt die Vermutung nahe, dass ein Wahlkampf vor der Tür steht. In den meisten Fällen bestätigt sich diese Vermutung, so auch in der Steiermark. Offiziell beginnt der Werbewettlauf um die Gunst der Bürger bei den Landtagswahlen am 15. Oktober zwar erst am kommenden Freitag, tatsächlich befindet man sich aber schon mitten im "heißen" Wahlkampf.

Das prekäre Tänzchen, das der mit einem ausgeprägten Spieltrieb begabte steirische SPÖ-Chef Peter Schachner- Blazizek rund um seine drei Pensionsansprüche in nach wie vor ungeklärter Höhe aufs Parkett legt, haben die Schuhplattler von der Gegenseite kurzfristig mit einem heftigen Stampfer unterbrochen: 150.000 Schilling werde ÖVP-Landesmutter Waltraud Klasnic nach derzeitigem Stand als Ruhegenuss erwarten können. Unausgesprochener Nachsatz: Und das wird sie uns ja wohl noch wert sein, gell.

Welche Schlussfigur wir nach dem Schachner-Ballett erwarten dürfen, ist noch ungewiss. Aber der weltgewandte Kulturlandesrat dürfte schon jetzt eine Ahnung davon haben, wie schmal nach einer solchen Vorstellung die Grenze zwischen Verbeugung und Verrenkung ist: Ähnlich schmal wie jene zwischen Sieg und Niederlage.

Eine solche zeichnet sich nach allen Umfragen, die bisher veröffentlicht wurden, für Schachner-Blazizek ab. Nachdem die Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen 1995 bis auf 2414 Stimmen an die regierende Volkspartei herangekommen waren, sehen derzeit alle Umfragen die ÖVP knapp unter 40, die SPÖ aber jedenfalls unter 35 Prozent der Stimmen.

Und so nimmt es kaum Wunder, dass die Steirer-SPÖ sich derzeit auffallend stark und auffallend kritisch mit der Bundespartei auseinandersetzt: Offensichtlich soll hier früh genug signalisiert werden, woran es liegt, wenn es wieder einmal nichts geworden sein sollte mit dem roten Landeshauptmann. "Rote Karte für das schwarz-blaue Horrorpaket" heißt es auf den Plakaten, die Schachner als dynamisch-diabolischen Schiedsrichter zeigen, der's den Schwarz-Blauen zeigt.

Deutlich geringeres Interesse an der Darstellung der steirischen Landtagswahl als "Testwahl" nach der "Wende" auf Bundesebene haben die Freiheitlichen. Auch kein großes Wunder angesichts der katastrophalen Ausgangslage: Ein Parteichef, der als überforderter, aber deswegen nicht weniger polternder Infrastrukturminister in Wien weilt; eine von dort rückimportierte Spitzenkandidatin, die nebenbei noch als Generalsekretärin jobbt; und schließlich eine junge Landesrätin, die, schwanger und ohnehin schwer angeschlagen, nachdem der frisch Vermählte als Bankräuber erschossen wurde, in der Zeitung lesen konnte, dass sie ihren Job nach der Wahl los sein wird.

"Hoch", würde der Sturm- Fan sagen, "werns des ned gwinnen." In der Tat: Man wird kaum die 20-Prozent- Grenze überspringen können, und dass man sich jetzt ganz auf "Law and Order" konzentriert, illustriert den inhaltlichen Notstand ziemlich deutlich. Weil aber schon der Zugewinn eines einzigen Mandates der FPÖ dank der Proporzverfassung einen weiteren Sitz in der Landesregierung beschert, wird sich das magere Abschneiden einigermaßen kaschieren lassen.

Es deutet also schon jetzt alles darauf hin, das die ÖVP unter Waltraud Klasnic nach der verheerenden Niederlage von 1995 ihren Führungsanspruch behaupten wird können. Wirklich freuen kann das niemanden: Die Parteistrategen nicht, weil schon so manche Wahl, gerade weil sie sicher gewonnen schien, verloren ging. Und die Bürger auch nicht: Wenn die regierende Partei und ihre Frau Landeshauptmann sehen, dass die pure Selbstdarstellung der Landesmutter zum Sieg reicht, spricht nichts mehr dafür, wenigstens in der nächsten Legislaturperiode das zu machen, was man Politik im engeren Sinn nennen möchte.

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