EU-Erweiterungsserie: Litauens Knackpunkt heißt Landwirtschaft

Bildungs-, KMU-, Wissenschafts- und Forschungskapitel bereits mit EU verhandelt

Wien (PWK714) - Litauen wurde erst vor rund sechs Monaten in die Gruppe der neuen EU-Beitrittsländer aufgenommen. Ursprünglich plante die Europäische Union lediglich mit Estland Verhandlungen zu führen, jedoch entschied man sich später, auch den anderen beiden Balten-Republiken eine EU-Mitgliedschaft in Aussicht zu stellen. "Obgleich Litauen somit zur zweiten Reihe der Beitrittswerber - der Helsinki-Gruppe - zählt, wurden bereits etliche Kapitel verhandelt und auch abgeschlossen. Dabei handelt es sich vorwiegend um unkomplizierte Kapitel wie Bildung und Ausbildung, Wissenschaft und Forschung, KMU sowie den Statistikbereich", berichtet Österreichs Handelsdelegierter in Stockholm, Walter Höfle.

Als schwierigste Bereiche werden Landwirtschaft, freier Warenverkehr, freier Personenverkehr, sowie Wettbewerbsrecht angesehen. "Litauen hat den größten Anteil der Landwirtschaft am Bruttosozialprodukt aller drei baltischen Länder. Von litauischer Seite wird auf große finanzielle Unterstützung in diesem Bereich seitens der EU gesetzt, wobei sich immer mehr herausstellt, dass Förderungen in bisheriger Vergabeart auf Litauen sicherlich nicht angewendet werden können", erklärt Höfle. Der hohe Anteil der Landwirtschaft werde auch Probleme im Bereich freier Warenverkehr bringen, da von EU-Seite Übergangsfristen gefordert werden.

Litauen wies in den letzten beiden Jahren eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung auf. Diese begann 1998 mit der Russlandkrise, hatte allerdings auch viele hausgemachte Probleme als Auslöser. Einige strukturelle Probleme konnten beseitigt werden und man rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum des BSP von etwa zwei Prozent. Ab 2001 soll der Konjunkturmotor wieder voll anspringen und Wachstumsraten über vier Prozent produzieren. "Dies begünstigt sicherlich die Beitrittsverhandlungen, da notwendige Reformen einfacher finanziert werden können", ist Höfle überzeugt.

Im Bereich Gemeinschaftsprojekte kooperiert Litauen bereits seit einigen Jahren mit der EU-Kommission. Anfangs war die Bereitstellung finanzieller Mittel lediglich auf einige wenige PHARE-Projekte beschränkt. Durch die Einführung der neuen ISPA/SAPARD Projekte konnten die Finanzressourcen beträchtlich ausgeweitet werden und die ersten Projekte wurden bereits genehmigt, weiß Höfle. "Hier bestehen große Geschäftschancen für österreichische Firmen, da man sich darauf konzentriert, zuerst die Bereiche Infrastruktur und Umwelt zu modernisieren. Am Umweltsektor sind österreichische Firmen mit ihrem Know-how sehr stark und beteiligten sich in der Vergangenheit immer wieder an Ausschreibungen, bei denen sie in einigen Fällen auch den Zuschlag erhielten." Österreichische Firmen seien dazu aufgerufen, ihre Kompetenz in diesem Bereich für die Zukunft weiter forciert in Litauen anzubieten und die bestehenden Geschäftschancen zu nutzen, rät der Handelsdelegierte.

ZUSATZINFORMATION: Morgen setzt die EU-Erweiterungsserie mit einem Bericht über Lettland fort. Insgesamt wird täglich bis zum 1. September je über einen Erweiterungskandidaten berichtet. (Ne)

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