"Neue Zeit" Kommentar: "Umverteilung" (von Günther Gruber)

Ausgabe vom 24. 8. 2000

Graz (OTS) - Es ist schon verwunderlich, was aus dem Regierungsübereinkommen in manchen Bereichen wird. Einerseits hat man eine "Abfertigung neu" in Aussicht gestellt, wonach Arbeitnehmer ihren Abfertigungsanspruch bei einem Unternehmenswechsel mitnehmen oder auch bei Selbstkündigung sofort kassieren könnten. Andererseits droht man mit dem "Drei-Säulen-Pensionsmodell", wonach der Betrieb und der Versicherte selbst einen Beitrag zur Pensionsvorsorge leisten sollen. Wie elegant nun der Sozialsprecher der ÖVP, Gottfried Feurstein, die beiden Konzepte zusammenführt, muss jedem Arbeitnehmer die Tränen in die Augen steigen lassen.

Der Sozialsprecher hat die Absicht geäußert, die Abfertigungsansprüche der Arbeitnehmer in eine betriebliche Zusatzpension umzuwandeln. Bezogen auf das berüchtigte "Drei-Säulen-Pensionsmodell" heißt das: Den Anteil des Staates an der Pension finanzieren die Arbeitnehmer über die Sozialversicherung, eine Betriebspension zahlen sie sich selber, indem ihre Abfertigungsansprüche in eine Pensionskasse abgeschöpft werden und wenn sie die volle Pensionshöhe haben wollen, dürfen sie auch noch eine private Pensionsversicherung abschließen.

"Abfertigung neu" heißt also nichts anderes, als Entlastung des Budgets und der Unternehmen zu Lasten der Arbeitnehmer. Es ist schon fast unglaublich, wie viel Fantasie die schwarz-blaue Koalition entwickelt, wenn es darum geht, die Umverteilung von unten nach oben voranzutreiben.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit, 0316/2808-306

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