Rechnungshofbericht zu den Vereinigten Bühnen ist da

- NEWS bringt Details und Klausnitzers Antwort Vorausmeldung zu NEWS 34/00 vom 24.8.2000

Wien (OTS) - Der Rechnungshofbericht zu den Vereinigten Bühnen
Wien - Theater an der Wien, Raimundtheater, Ronacher - ist fertig. Das Nachrichtenmagazin NEWS konnte sich das lang erwartete Dokument für seine morgen erscheinende Ausgabe sichern.

Geprüft wurde zwischen 10. Jänner und 31. März 2000 vor allem die Gebarung der Jahre 1995 bis 1999.

Lobend wird laut NEWS vermerkt,

  • dass man Wien als Musical-Metropole etabliert,
  • den Export von Eigenproduktionen befördert,
  • das Ronacher gewinnbringend rückübernommen und
  • Festwochen und Klangbogen durch kostengünstige Überlassung der Räumlichkeiten quasi subventioniert habe. Hier empfiehlt der RH allerdings, die Differenzsummen wegen der Kostenwahrheit gleich den beiden Festivals auszuzahlen.

- Auch die Gesamtauslastung von 89 Prozent ist erfreulich.

Kritik wird laut NEWS in folgenden Punkten geübt:

- Das Haus habe keinerlei Eigeneinnahmen bewerkstelligt. Was an Werten geschaffen wurde, komme aus den Subventionen. Intendant Klausnitzer: "Das entspringt einer abstrakten volkswirtschaftlichen Betrachtung. Wahr ist, dass sieben Prozent aller Wien-Besucher wegen des Musical-Angebots kommen und dass wir mit unseren Künstlern ständig andere kulturelle Veranstaltungen beliefern, die sonst kaum existieren könnten."

- Die Vereinigten Bühnen beteiligten sich - so der in NEWS zitierte Bericht - 1991 mit 2,8 Mio. an einer "Wonder Company Limited Partnership", die eine Revue Andre Hellers in New York weiterverwerten sollte. Die Gesellschaft blieb erfolglos, nur eine Million wurde rückgezahlt. Der Rechnungshof fordert, den Rückstand einzutreiben. Laut Klausnitzer soll die noch aus der Ära Weck datierende Causa gerichtlich aufgerollt werden. Heller dürfte dabei aber nicht die anzusprechende Person sein.

- Der Rechnungshof verwirft alle Privatisierungs- und Umstrukturierungspläne: die seinerzeit von Klausnitzer vorgeschlagene Managementbeteiligung von 75 Prozent ebenso wie die Idee von Operndirektor Holender, das Haus von Musical- auf Opern- und Operettenbetrieb umzustellen. 600 Mio. Zuschuss wären dafür erforderlich, selbst eine sanftere Variante würde noch 270 Mio. verschlingen.

- Kritik wird laut NEWS an Geschäftsführer Franz Häussler geübt: An Wertpapieren, Kassenbeständen und Bankguthaben hatten die VB im Überprüfungszeitraum zwischen 275 und 412 Mio. im Betriebsvermögen. Diese Riesensummen aber wurden nur mit 3,5 bis 4,7 Prozent verzinst. Zusatz: "Nach Ansicht des RH war die Veranlagung derart hoher Geldmittel nur möglich, weil zu hohe Förderungsmittel überwiesen wurden. Der RH empfiehlt eine Verbesserung des Finanzmanagements." Klausnitzer: "Wir haben Rücklagen nur aus den Einnahmen, nie aus Förderungsmitteln gebildet. Das Geld haben wir bei österreichischen Banken angelegt. Wenn der RH es so will, nehmen wir es heraus und legen es im europäischen Ausland an. Interessant, was unsere Eigentümer dazu sagen."

- Die Eigenproduktionen fuhren Verluste zwischen 16, 1 und 287,2 Millionen ein. Klausnitzer: "So gesehen ist jede Produktion eines auf Förderungsmittel angewiesenen Hauses ein Verlust."

- Ausführlich die Bezüge der Geschäftsführer durchleuchtet. Mit Klausnitzer wurde ein Dienstvertrag über vierzehn Mal 212.000 Schilling vereinbart - etwa drei Millionen pro Jahr, soviel, wie der Operndirektor, was der RH. als angemessen bezeichnet. Darüberhinaus kann der Intendant eine Erfolgsprämie von höchstens drei Monatsgehältern lukrieren. Der Rechnungshof: "Den Protokollen der Generalversammlung ist zu entnehmen, dass zwar pro Jahr drei Monatsgehälter gewährt wurden, eine Begründung für die Zuerkennung war jedoch nicht angeführt." Zusätzlich hat Klausnitzer Anspruch auf zwei erfolgsabhängige Prämien aus Merchandising und Ertragssteigerung. Klausnitzers Bezüge laut RH: 5,8 Mio (1995), 6,8 Mio (1996), 5,8 Mio (1997), 5,6 Mio. (1998), 6,6 Mio (1999).

Der Rechnungshof: "Auch wenn 1998 mit der Aufwandsminderung beachtlicher finanzieller Erfolg erzielt werden konnte, weist der RH darauf hin, dass mit der Gewährung eines angemessenen Gehalts die zu erbringenden Leistungen und mit der Gewährung einer Erfolgsprämie auch die besonderen Leistungen abgegolten wurden. Darüber hinaus wurden dem Intendanten teilweise für dieselben Leistungen zweimal Prämien ausgeschüttet." Geschäftsführer Franz Häussler bezieht vierzehn Mal 120.000 Schilling. Auch ihm wurden ohne Begründung drei Monatsgehälter Erfolgsprämie pro Jahr überwiesen. Seit 1994 kassiert er zusätzlich Prämien für die Absenkung der Aufwendungen. Gesamtbezug: jeweils zwischen 3,4 und 5 Mio. in den Jahren 1995 bis 1999.

Darüberhinaus versteuerte Häussler auch noch einen Millionenbetrag mit Verspätung.

Klausnitzer: "Schon mein Vorgänger Weck hatte Anspruch auf Erfolgsprämien - sie wurden nur nicht schlagend. Die Höhe unserer Prämien beruht darauf, dass wir u. a. als einziger Theaterbetrieb dieser Größe die Subventionen maßgeblich senken konnten."

Demnächst beginnen die Verhandlungen über Klausnitzers neuen Vertrag. Man werde da, so der Intendant, über eine nach oben abflachende Entwicklung der Prämien sprechen. Das Grundgehalt stehe auch seitens des Rechnungshofs nicht zur Debatte.

- Leitende Angestellte aus dem Verwaltungsbereich bezogen zum "ohnehin hohen Gehaltsniveau" (RH) Erfolgsprämien bis 1,5 Millionen.

- Das Orchester ist unterbeschäftigt, muss entweder neue Kollektivverträge, die es auch außerhalb der Vereinigten Bühnen einsetzbar machen - oder eine Ausgliederung auf sich nehmen. Das sieht auch Klausnitzer so.

- Leading Teams für neue Musicals kassierten hohe Spesen. So bezog das "Vampire"-Team um Roman Polanski 4,9 Millionen Schilling an Reisekosten. Belege fehlten oft. Klausnitzer: "Da geht es immerhin um eine Vorbereitungs- und Aufführungszeit von fünf Jahren!"

- Weil "The Beauty and the Beast" wegen drohenden Publikumsmangels vorzeitig abgesetzt werden musste, wurde das Ensemble mit 4,3 Millionen ausbezahlt.

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