Greenpeace: Neue Sicherheitsmängel in Temelin

Ehemalige Arbeiter und Experten berichten von Pfusch beim Reaktorbau

Wien/Prag (OTS) - Greenpeace appellierte gestern in einem Brief
an die tschechische Regierung, die Aktivierung des Atomkraftwerks Temelin zu verschieben. In diesem Brief werden von Greenpeace neue Beweise für gravierende Sicherheitsmängel in Temelin angeführt. Aufgrund der gestern bekannt gewordenen Sicherheitsmängel aus einer neuen Studie der deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) verlangte der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin gestern von der tschechischen Regierung den Verzicht auf das Atomkraftwerk. Die heute von Greenpeace aufgedeckten Sicherheitsmängel bekräftigen die Forderung der deutschen Regierung. Greenpeace verlangt nun die sofortige Verschiebung der Aktivierung des Kraftwerks.

Greenpeace erhielt kürzlich weitere Beweise von Ungereimtheiten, die auf gravierende Sicherheitsmängel hindeuten: 1994 wurde ein Teil des Primärkühlkreislaufs am Reaktorkessel falsch angeschweißt. Dieser Teil wurde am selben Platz nicht korrekt wieder angeschweißt. Ehemalige Arbeiter in Temelin sagten nun, dass über diese Reparatur nicht berichtet wurde und auch keine neuen Tests durchgeführt wurden. Die damaligen Zeugen berichteten, dass diese Reparatur einen irreversiblen Schaden am Reaktorkessel verursacht hat. "Wenn dieser Schaden damals bekanntgeworden wäre, hätte der Bau des Kraftwerks bereits vor Jahren gestoppt werden müssen", sagte Jiri Tutter von Greenpeace Tschechien und befürchtet, dass nicht einmal die Betreibergesellschaft CEZ und die tschechische Atomaufsichtsbehörde SUJB davon wissen.

Weiters fanden Greenpeace und der ehemals in Temelin beschäftigte tschechische Ingenieur Zdenek Beck heraus, dass Impulsröhrchen unter einem falschen Winkel angebracht wurden. Dieser Fehler könnte dazu führen, dass falsche Meßergebnisse im Westinghouse-Kontrollsystem auftreten. Temelinarbeiter beschrieben, dass in den letzten Wochen wie rasend versucht wurde, einen großen Teil der Impulsröhrchen neu anzubringen. Dieser Versuch stellte sich als unmöglich heraus, sodass noch immer zahlreiche Impulsröhrchen in einem falschen Winkel angebracht sind. "Nur ca. 140 von den tausenden Röhrchen wurden in der Eile gereinigt, um Metallteilchen zu beseitigen. Das bedeutet, dass wahrscheinlich noch Kilos von Bauresten im System herumliegen", sagte Ing. Beck. Bei einer Aktivierung des Reaktors könnte dies zu unvorhergesehen Reaktionen im Reaktorkessel führen, wie beim Unfall im Kraftwerk Jaslovske Bohunice im Jahr 1976.

"Die Bedenken des deutschen Umweltministeriums und die neu aufgetauchten gravierenden Sicherheitsmängel im Kraftwerk Temelin erfordern die Verschiebung der Aktivierung und eine vollständige Untersuchung über diese Fehler und deren Behebung", sagte der Atomexperte Jan Haverkamp von Greenpeace Tschechien.

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